Chronik | Österreich
29.01.2018

Luftige Talare für schwitzende Richter

Ministerium empfahl Gewänder aus Schurwolle, auffallend viele Kärntner Rechtssprecher tauschten.

Vor dem Gesetz sind alle gleich. Vor Gericht auch – und doch herrschen in all den österreichischen Justizgebäuden große Unterschiede. Temperaturunterschiede zumindest.

Wovon Journalisten, Angeklagte und Kiebitze seit Jahren ein Lied singen können, bestätigen nun auch Richter und Staatsanwälte: am Klagenfurter Landesgericht schwitzt man im bundesweiten Vergleich am meisten. Jeder Dritte Richter bzw. Staatsanwalt in Klagenfurt hat jetzt das Angebot des Justizministeriums angenommen und einen luftigeren Talar bestellt. Die Kollegen in den übrigen Ländern lässt die Möglichkeit zum Tausch des Obergewandes vergleichsweise kalt.

"Gesundheitsgefahr"

Im letzten Rekordsommer ließ das Bundesministerium für Justiz ein arbeitsmedizinisches Gutachten erstellen. "Die derzeitige richterliche Amtskleidung mit Talaren aus Mischfaser kann bei hohen Temperaturen (über 30 Grad) eine gesundheitsgefährdende Hitzebelastung des Körpers sowie eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit erzeugen", heißt es. Daher werde aus arbeitsmedizinischer Sicht das Tragen von Amtskleidern aus dem dünnstmöglichen Stoff aus reiner Schurwolle empfohlen.

Da die Tragedauer für Talare eigentlich fünf Jahre beträgt, das Ministerium aber raschen Handlungsbedarf sah, erging der Erlass an alle Staatsanwaltschaften und Gerichte: die Talare könnten sofort ausgetauscht werden. Kosten: 250 Euro pro Stück.

Im Sprengel Wien/Niederösterreich/Burgenland nahmen von 900 Richtern und Staatsanwälten 40 das Angebot an, also jeder 23. In Tirol/Vorarlberg wares es 15 von 287, also jeder 19. In Oberösterreich/Salzburg hätten 470 mögliche Betroffene konkret wegen des neuen Erlassen überhaupt keinen Anlass zum Tausch gesehen, sagt Wolfgang Seyer vom Oberlandesgericht Linz. "Wir verwenden schon seit Jahren dünnere Stoffe", begründet er diese Auffälligkeit.

In der Steiermark und in Kärnten hatten 269 Personen die Möglichkeit zum Wechsel. 13 nutzten sie in der Steiermark, 28 in Kärnten – und alleine am Landesgericht Klagenfurt jeder Dritte. An diesem Standort sind 46 Richter und 20 Staatsanwälte beschäftigt, 23 haben nun um Talar-Tausch ersucht.

Hitzestau

"Im Hochsommer hilft das Lüften in den Gerichtssälen nicht mehr, leiden alle Beteiligten gewaltig unter der Hitze. Richter gewähren manchmal den Dispens, also die Möglichkeit, die Talare abzulegen", erklärt Staatsanwalt Markus Kitz, der sich eine neue Arbeitskleidung bestellt hat. Man hoffe, dass das Landesgericht in absehbarer Zeit mit einer Klimaanlage bestückt würde, ergänzt Richterin Eva Jost-Draxl.

Dies sei aufgrund der Bausubstanz leider nicht möglich, heißt es dazu aus dem Justizministerium. In naher Zukunft werde jedoch eine Entscheidung fallen, ob das Klagenfurter Landesgerichts um- oder überhaupt neu gebaut werde. Im Zuge dessen werde man auch den Bedarf von Klimaanlagen vorab klären.