Lech: Aufstand wegen Ferienwohnungen

Ludwig Muxel ist seit 22 Jahren Bürgermeister im Nobel-Skiort Lech. Am 15. März entscheidet sich, ob die Bürger des Dorfs am Arl… © Bild: /zeitungsfoto.at/Daniel Liebl

Zwei Wochen vor der Wahl brechen neun von fünfzehn Gemeinderäten mit dem Ortschef.

Ludwig Muxel gibt sich am Tag nach dem Eklat nach außen gelassen. Doch der Bürgermeister von Lech am Arlberg gesteht am Donnerstag bei einem Besuch in seinem Büro auch ein: "Es hat mich überrascht, dass die Kritik so in aller Öffentlichkeit kundgetan wurde." Seit 22 Jahren ist Muxel im Amt. Am Mittwochabend haben nun neun von 15 Gemeindevertretern ihren Rückzug bekannt gegeben. Und das zum Teil, wie der ORF nach der Sitzung des Gemeinderats berichtet hat, mit massivem Vertrauensverlust gegenüber dem Ortschef begründet.

Der letzte Tropfen

Stefan Muxel, Cousin des Bürgermeisters, ist einer von ihnen. "Wir haben gemeinsam viel Gutes gemacht. Aber die Sondergeschichten mit den Ferienwohnungen sind nicht richtig", sagt der Chef des Hotels Mohnenfluh in Richtung Bürgermeister. Das Fass zum Überlaufen brachte die Genehmigung für das Feriendomizil des Formel-1-Piloten Sebastian Vettel, der ein Appartement für 3,5 Millionen Euro erworben hat – der KURIER hat berichtet.

Ortschef Muxel gab sich selbst immer als Kritiker von Freizeitwohnsitzen. Zuletzt wurde aber bekannt, dass er in zwölf Jahren 23 Genehmigungen für solche Unterkünfte erteilt hat, die bei den Reichen und Schönen heiß begehrt sind. "Es hat Anträge gegeben und der Gemeindevorstand hat nach bestem Wissen und Gewissen entschieden", ist er sich keiner Schuld bewusst. Laut Vorarlberger Gesetzeslage müssen für solche Widmungen "besonders berücksichtigungswürdige Gründe vorliegen". Eine Regelung, die Spielraum zulässt. Den Vorwurf von Freunderlwirtschaft, der immer wieder zu hören ist, weist Muxel "vehement" zurück.

Gegenwind im Dorf

Am 15. März werden in Vorarlberg in 96 Orten die Gemeindevertretungen neu gewählt. Da wird sich auch entscheiden, ob Muxel für eine weitere Periode das Vertrauen bekommt. Im Dorf scheint er jedenfalls zunehmend Gegenwind zu verspüren. "Wie weit der Rückhalt da ist, wird die Bevölkerung entscheiden", sagt der Langzeitpolitiker nach seiner Einschätzung über die Stimmung befragt. Bürgermeister will er auch nach dem Eklat weiterhin werden und relativiert den Rückzug von zwei Dritteln der Mandatare: "Vier haben gesagt, sie gehen wegen mangelndem Vertrauen. die anderen hatten persönliche Gründe."

Hotelier Gerold Schneider will in den Gemeinderat. Er ortet Stillstand
Gerold Schneider, Hotelier, Lech am Arlberg, Gegner des Bürgermeisters Josef Muxel © Bild: /zeitungsfoto.at/daniel Liebl
1200 Lecher sind wahlberechtigt. Parteilisten gibt es keine. Es gilt das Mehrheitswahlrecht (siehe unten). 30 bis 35 Bürger stellen sich der Wahl. Hotelier Gerold Schneider tritt zum ersten Mal an. "Die Geschichte mit den Ferienwohnungen ist nur ein Nebenschauplatz", sagt der 48-Jährige. Seine Kritik fällt breiter aus: "Es gibt keinen Masterplan. Entscheidungen fallen hinter verschlossenen Türen. Der Dialog wird verweigert."

Während er selbst mit seinem Team über Aus- und Umbauplänen für sein 5-Sterne-Hotel brütet, ortet Schneider Stillstand im Ort. Zumindest in jenen Bereichen, wo der Bürgermeister die Verantwortung trägt: "Die Infrastruktur ist veraltet. Wir treten auf der Stelle."

Ein echter Herausforderer für Muxel hat sich hingegen bislang noch nicht aus der Deckung gewagt. Jeder kennt jeden im kleinen Ort. Die wechselseitigen Abhängigkeiten sind groß. Das Gerücht, wonach Hotelier Stefan Muxel seinem Verwandten nachfolgen möchte, weist der zurück: "Ganz sicher nicht."

Jeder kann jeden wählen

Gemeindewahlen Am 15. März werden die Gemeindestuben in Vorarlberg neu besetzt. 193 Listen und 132 Kandidaten für den Bürgermeistersessel stehen zur Wahl. In 85 von 96 Gemeinden ist der Bürgermeister VP-Mitglied oder steht der Partei nahe. Der Ortschef wird in 60 Gemeinden direkt, ansonsten von der Gemeindevertretung gewählt.

Mehrheitswahl In 16 Gemeinden des Landes – so auch in Lech – wird nach dem sogenannten Mehrheitswahlrecht gewählt. Dabei tragen die Bürger auf leeren Zettel die Namen der gewünschten Kandidaten ein. Jeder kann jeden wählen. Wer am meisten Stimmen erhält, wird Gemeindevertreter und kann den Bürgermeister mitwählen.

Erstellt am 26.02.2015