Chronik | Österreich
28.12.2011

Lawine tötete zwei Paragleiter in Tirol

Statt zu einem Gleitschirmflug abzuheben, wurde ein Paar vor den Augen seiner Kinder von Schneemassen erfasst.

 

Der Sohn hat seinem Vater noch die Hand gereicht, ehe er und seine Lebensgefährtin vor den Augen ihrer Kinder von den Schneemassen mitgerissen wurden“, schildert der Notarzt des Reuttener Rotkreuz-Helikopters die dramatischen Augenblicke am Mittwoch auf der Jöchelspitze im Tiroler Außerfern.

Eine Gruppe von Paragleitern wurde bei den Startvorbereitungen von einer Nassschneelawine überrascht. Fünf konnten sich retten, doch Werner Sch., 50, und seine 44-jährige Partnerin wurden unter Tonnen von Schnee begraben.

Stundenlang suchte ein Großaufgebot an Bergrettern, Alpinpolizisten und Urlaubern mit fünf Hunden und drei Hubschraubern fieberhaft nach den beiden Bayern. Auch die Feuerwehr wurde über die Leitstelle alarmiert, um Material bergwärts zu bringen und das Gelände auszuleuchten.

Doch jede Hilfe kam zu spät. "Nach zwei Stunden, begraben unter gut fünf Metern Schnee, da gibt es leider nichts mehr zu retten", sagt der Mediziner.

 

Riss

Es war gegen 14.30 Uhr, als sich außerhalb des gesicherten Skiraums oberhalb der Bergstation auf rund 1800 Metern ein Schneebrett löste. Die Paragleiter – unter ihnen Werner Sch., sein Sohn und die Lebensgefährtin mit ihrer Tochter – hörten ein Grummeln, sahen den Riss im Hang und ergriffen sofort die Flucht. "Doch die beiden Opfer haben es nicht mehr geschafft", berichtet Egon Brandhofer, Bürgermeister von Bach und Wirt im Berggasthof Jöchelspitze, der sich ebenfalls an der Suche beteiligte.

Beim Lawinenschutzdamm hinter der Hütte türmten sich die Schneemassen auf. Und die Helfer suchten dort unter widrigsten Bedingungen nach den Deutschen. "Der Schnee war extrem feucht, und im Staubereich der Lawine reden wir von rund sieben Metern Tiefe", erklärt ein Bergretter. Außerdem gab es für die Mannschaften auf dem sehr breiten Lawinenkegel keine Anhaltspunkte, denn als Paragleiter hatten die Verschütteten keine LVS-Geräte (Lawinenverschüttetensuchgeräte) dabei.

Werner Sch. war der Geldgeber der Flugschule Airsport Tirol in Bach. In der Gemeinde hatte er auch ein Haus gebaut.