Chronik | Österreich
14.10.2017

Kuh verteidigte Kalb: Drei Verletzte

Bauern wollten Neugeborenes versorgen, doch Muttertier attackierte sie und einen Feuerwehrmann.

Die Altbäuerin wollte bloß nach dem Kalb sehen, das gerade auf der Weide in Uttendorf im Pinzgau geboren worden war. Doch das Muttertier ließ das nicht zu: Die Kuh geriet in Panik und attackierte die Landwirtin, die mehrmals von den Hufen getroffen wurde und schwer verletzt am Boden liegen blieb. Auch ihr Mann, 70, und ein Feuerwehrmann wurden verletzt, als sie versuchten, der 63-Jährigen zu helfen.

"Es war ein ungewöhnlicher Einsatz. Und ein sehr schwieriger", schildert Feuerwehr-Einsatzleiter Lukas Fritzenwanger. Gemeinsam mit 21 Kollegen war er auf dem Bauernhof, dazu kamen noch Teams des Roten Kreuz sowie die Polizei. Denn die Kuh ließ zunächst niemanden in die Nähe ihres Jungen: Der Notarzt konnte deshalb nicht zu der schwer verletzten 63-jährigen Frau. Ihr Mann war zuvor schon gescheitert, als er probierte, die Landwirtin von der Wiese zu tragen: Das Muttertier ging auch auf ihn los und stieß ihn um, ebenso einen Feuerwehrmann, der helfen wollte.

Auto als Barriere

Um zumindest zu verhindern, dass die panische Kuh erneut über die am Boden liegende Frau trampelte, fuhr ein Feuerwehrmann mit einem Auto auf die Weide und stellte das Fahrzeug neben der Verletzten ab. Ein Kollege versuchte unterdessen, die Kuh abzulenken, allerdings klappte das nicht. Das Tier rannte auf der Weide auf und ab und verteidigte ihr Neugeborenes gegen jeden, der die Wiese betrat. Die Situation war laut Polizei prekär: Kurzfristig wurde sogar erwogen, das rabiate Rind mit einem Schuss aus einem Gewehr zu erlegen, um die verletzte Landwirtin gefahrlos versorgen und abtransportieren zu können.

Jungtier in Stall gebracht

Doch dann hatte ein Helfer Erfolg mit einer Idee: Er schaffte es, das Kalb auf die Schaufel eines Radladers zu hieven und damit in den Stall zu bringen das Muttertier trabte sofort hinterher.

Das gab Notarzt und Sanitätern endlich die Möglichkeit, sich um die Verletzten zu kümmern: Die Landwirtin wurde mit einem Rettungshubschrauber in das Klinikum Zell am See geflogen, ihren Mann sowie den 49-jährigen Feuerwehrmann brachte das Rote Kreuz mit Rettungsautos in das Krankenhaus nach Mittersill. Sie kamen bei dem Zwischenfall mit leichten Verletzungen davon. Die Helfer trieben danach auch die übrigen Kühe von der Weide in den Stall, das verlief problemlos.