Chronik | Österreich
11.06.2014

Kugelgürteltiere sollen WM-Ergebnisse vorhersagen

In österreichischen Tiergärten treten "Lanzelot" und "Fuleco" die Nachfolge von Kraken und Kühen an.

Österreich ist nicht nur im WM-, sondern offenbar auch im Kugelgürteltierfieber: Das offizielle Maskottchen der Fußball-Weltmeisterschaft, der gelb-blaue "Fuleco", findet derzeit einige reale Nachahmer. Im Wiener Tiergarten Schönbrunn soll das erfahrene Männchen "Lanzelot" Ergebnisse vorhersagen, in der steirischen Tierwelt Herberstein vertraut man auf die Instinkte des Nachwuchses "Fuleco".

Die Wahl, die Lanzelot treffen muss, ist immerhin schmackhaft: In seinem Terrarium im Vogelhaus des Tiergarten Schönbrunn werden zwei gleich große Futterschüsseln nebeneinander bereitgestellt und jeweils mit den Flaggen der spielenden Mannschaften gekennzeichnet. Mit der Entscheidung für eine Futterschüssel sagt das Kugelgürteltier den Sieger voraus. Kann er sich für keine der beiden Leckerbissen aus den Gürteltierfavoriten Mehlwürmer und Joghurt entscheiden, wird dies als unentschieden gewertet. Zum ersten Mal im Einsatz wird Lanzelot beim Eröffnungsspiel sein.

Fuleco mischt mit

Gerade rechtzeitig vor dem Anpfiff konnten sich die Kugelgürteltiere in Herberstein über Nachwuchs freuen, der prompt nach dem offiziellen Maskottchen "Fuleco" benannt wurde. Einblicke in das zukünftige Spielgeschehen soll auch schon dieser Kleine liefern: Zwei mit Namensschild versehene Tore werden dazu ins Gehege gestellt. Das erste Land, für das sich Fuleco dann entscheidet, soll als Sieger des Spiels hervorgehen, wie die Tierwelt am Dienstag in einer Aussendung mitteilte. Die Ergebnisse werden dann auf der Facebook-Seite des Zoos veröffentlicht.

Bei der WM am Zuckerhut sollen Umwelt, Nachhaltigkeit und Ökologie wichtige Themen sein - unter anderem deshalb wurde das vom Aussterben bedrohte Kugelgürteltier als Maskottchen ausgewählt. Aber auch eine Ähnlichkeit zum Fußball ist unverkennbar: "Das liegt am Schuppenpanzer, in den sie sich bei Gefahr einrollen können. Sie sehen dann wie eine Honigmelone oder ein Fußball aus", erklärte der zoologische Leiter der Tierwelt Herberstein, Reinhard Pichler. Für Feinde ist es dann fast unmöglich, die gepanzerte Kugel zu knacken.

Von Kraken und Kühen

Schon in der Vergangenheit hatten tierische Orakel immer wieder für Aufsehen gesorgt. So erntete beispielsweise Krake Paul, der bei der Fußball-WM 2010 alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie das Finale richtig vorhersagte, weltweiten Ruhm. Bei der Europameisterschaft 2012 setzte das Publikum dagegen vor allem auf Kuh Yvonne. Der Markt für Tier-Orakel ist jedenfalls heiß umkämpft: Auch Lanzelot und Fuleco haben schon Konkurrenz - unter anderem von chinesischen Panda-Babys.

Ein Tintenfisch als Vorreiter für die Wissenschaft

Paul ist tot. Längst. Paul? Das ist der legendäre Krake, der bei der EURO 2008 und bei der WM 2010 als Orakel eingesetzt wurde. Seine Vorhersagen erwiesen sich 2008 zumeist als richtig, 2010 prognostizierte er alle deutschen Ergebnisse sowie das Finale korrekt. Paul starb am 26. Oktober 2010 in Oberhausen im krak’schen Greisenalter von drei Jahren und neun Monaten.

Und bleibt eine Legende. Ersatz wird gesucht. So dürfen sich nun Baby-Pandas aus China (die sind gar nicht bei der WM) Bäume aussuchen, auf deren Spitzen die Länder-Flaggen befestigt sind. Und im Tiergarten Schönbrunn (richtig, auch Österreich spielt nicht mit) darf Lanzelot zwischen zwei gleich großen Futterschüsserln mit Länderfahnen wählen. Sir Lanzelot ist übrigens ein Kugelgürteltier und damit Vorbild des WM-Maskottchens "Fuleco".

So ganz offizielle Paul-Nachfolger sind diese Tiere nicht, also bemühten Wissenschaftler ihr Hirnschmalz und spielten Orakel:

David Dormagen ist kein Bär oder Gürteltier, er ist ein Mensch, genauer gesagt ein Student und beschäftigte sich im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit mit Prognosen für die WM. Er erstellte einen Simulator, der diverse Rankings und Marktwerte der Teams auswertet. Dormagen hat die gesamte WM mit all ihren Spielen 10.000 Mal virtuell simuliert – und kam zur Erkenntnis: Brasilien hat die besten Chancen auf den WM-Titel vor Spanien, Deutschland und Argentinien.

Geht es nach der Goldman-Sachs-Studie wird Brasilien Weltmeister, Deutschland Dritter. Warum? Als Komponenten wurden die Fußball-Historie, die Zahl der Tore und Gegentore in den jüngsten Pflichtspielen und ein Heim-Faktor, der Teams bevorzugt, die bei der WM zu Hause oder zumindest auf dem Heim-Kontinent spielen, herangezogen. Resümee: Die Chance, dass Rekordweltmeister Brasilien (5) erneut den Titel holt, wird mit großzügigen 48,5 Prozent beziffert. Argentiniens Chance liegt bei 14,1 Prozent, die von Deutschland bei 11,4 Prozent, die von Spanien immerhin bei 9,8.

Auch das Deutsche Institut für Wissenschaftsforschung leistet unter dem Motto "Geld schießt Tore" ihren Beitrag. Berechnungsgrundlage ist der Kaderwert, als Quelle wurde transfermarkt.de herangezogen. Resümee: Spanien (rund 650 Millionen Euro) siegt vor den Deutschen (575 Mio. Euro). Aufgepasst: 2006 hatten die Forscher Italien auf der Rechnung und sagten die EM- und WM-Siege Spaniens voraus. Der Ansatz stimmt: In der Qualifikation setzten sich 30 von 31 Mal (Brasilien fix qualifiziert) die wertvollsten Teams durch.

Rot & Blond

Klingt alles fein. Irgendwie logische Favoriten. Zum Glück gibt’s da noch den britischen Physiker Stephen Hawking, der eine Formel für englische Siege bei der Fußball-WM aufgestellt hat. Eine 4-3-3-Formation, rote Trikots, europäischer Schiedsrichter sind die halbe Miete. Und da die Engländer alle Elferschießen verlieren, hat er hier auch ein Erfolgsrezept: Mehr als drei Schritte Anlauf, nach oben links oder rechts zielen – und einen hellhaarigen Schützen wählen. So fanden seit 1966 84 Prozent der Versuche von blonden Spielern das Ziel, 71 Prozent bei Glatzköpfigen und nur 69 Prozent von Dunkelhaarigen. "Ich bin als theoretischer Physiker besser qualifiziert, Vorhersagen zu machen, als Paul", spottet Hawking. Die Wette gilt.