Chronik | Österreich
29.07.2016

Klagsdrohung nach Posting-Affäre

Villacher Stadtrat zog im Netz anonym über seine politischen Konkurrenten her und lobte sich selbst.

Fehler passieren. Aber das Missgeschick, das dem Villacher SPÖ-Stadtrat Andreas Sucher widerfuhr, hat Seltenheitswert: Er teilte als anonymer Kommentator im Internet gegenüber anderen Politikern aus und lobte sich selbst. Dies ging so lange gut, bis er sich aus Schlamperei selbst enttarnte. Die Partei stärkt dem 37-Jährigen vorerst den Rücken, ein politischer Mitbewerber kündigt allerdings eine Klage an.

Sucher unterlief der Fehler, weil er im Forum der Kleinen Zeitung stets doppelgleisig fuhr: Der Stadtrat postete gleichzeitig mit seinem richtigen Namen unter "asucher" sowie unter seinem Pseudonym "dklamp". Am 16. Juli 2016 kommentierte er ein Statement unter "dklamp" schrieb aber am Ende "mit freundlichen Grüßen, A. Sucher."

Konsequenzen aus dieser Causa schließen die SPÖ sowie der Betroffene selbst vorerst aus: "Die Sache war nicht in Ordnung, Sucher hat aber als Privatperson gehandelt. Das war wohl seiner Jugend zuzuschreiben", sagt Villachs SPÖ-Vizebürgermeisterin Petra Oberrauner. KURIER-Informationen zufolge soll es in der Partei aber auch gegenteilige Stimmen geben. Man wartet auf die samstägige Rückkehr von Bürgermeister Günther Albel, der auf Urlaub weilt.

"Es war ein Fehler"

Der "jugendliche" 37-Jährige selbst will von einem freiwilligen Rückzug nichts wissen. "Es war ein Fehler, that’s it. Ich habe mich aus den Foren zurückgezogen", gibt er sich wortkarg.

Im Internet war er zuvor kommunikativer: "Bravo, Herr Sucher! Lassen Sie sich von diesem Blender (gemeint ist ÖVP-Stadtrat Peter Weidinger, Anm.) nicht vom Weg abbringen", lobte Sucher sich unter seinem Pseudonym selbst. Weidinger nannte er einen "Herrn, der noch nie richtig gearbeitet hat." Dieser bekomme monatlich 8300 Euro überwiesen und plaudere nur heiße Luft, so Sucher. Und FPÖ-Stadtrat Erwin Baumann sei sich "der Tragweite seines Handelns nicht bewusst."

Die Kritisierten reagierten nach der Enttarnung empört: "Ich lasse rechtliche Schritte gegen Sucher prüfen", kündigt Weidinger eine Klage an. Ihm hat die SPÖ kürzlich zwei Referate gestrichen, weil er seine Arbeit angeblich nicht ordnungsgemäß verrichtet haben soll. "Ich glaube an die Selbstreinigungskraft der SPÖ Villach. Die Genossen oder Sucher selbst sollten wissen, was nun zu tun ist."

Auch Baumann zeigt sich "bestürzt, dass ein politischer Mitbewerber es nötig hat, mit geschlossenem Visier zu kämpfen, weil er sonst nichts auf den Weg bringt". Er sei verwundert, dass es in der SPÖ noch keine Konsequenzen gebe. "Bei der FPÖ würde man einen Rücktritt fordern."