Chronik | Österreich
04.10.2017

Klagenfurt als neuer Drogen-Hotspot

Tod einer 16-Jährigen als neuer Verdachtsfall um hoch gefährliche Substanz "U-47700".

Drogenambulanzen mit Aufnahmesperre, monatelange Wartezeiten auf Entzugsbetten und qualitativ hochwertige Billigdrogen aus Slowenien Klagenfurt hat sich in den vergangenen Monaten zur Suchtgift-Drehscheibe entwickelt. Im Fokus steht die Modedroge "U-47700".

"Pinky" nennt man in der Szene die härteste Substanz, die je in Österreich aufgetaucht ist – acht Mal so stark wie Heroin. Sie ist so hoch dosiert, dass eine Menge von wenigen Milligramm reicht, um eine Wirkung zu erzeugen. Im Fall eines Linzers, der am 15. Mai dieses Jahres in einer Klagenfurter Therapieeinrichtung gestorben ist, konnte die "Killerdroge" als Ursache festgestellt werden. Bei einem Kärntner, der bereits im März verstorben war, war dies nicht mehr einwandfrei möglich.

Nun gibt es einen weiteren Verdachtsmoment: Jene 16-jährige Oberkärntnerin, die am Wochenende tot in der Wohnung ihrer Großmutter aufgefunden worden war, könnte mit "U-47700" in Kontakt gekommen sein.

Unbekannte Substanz

"Eine chemisch-toxikologische Untersuchung wurde angeordnet", sagt Drogenermittler Karl Schnitzer vom Landeskriminalamt (LKA). Ebenso würden unbekannte Substanzen überprüft, die in der Wohnung des 23-jährigen Freundes der Verstorbenen gefunden worden seien. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der grob fahrlässigen Tötung durch Weitergabe von Drogen ermittelt.

Die 16-Jährige ist heuer bereits die neunte Drogentote in Kärnten, jahrzehntelang wurden jährlich zwischen vier und sechs Opfer registriert. Klagenfurt sei leider inzwischen ein beliebter Drogenumschlagplatz geworden, sagt Schnitzer. Begründet wird dies mit der Nähe zu Slowenien, wo aktuell hochqualitative Substanzen zu Dumpingpreisen bezogen werden können. "Dies führt dazu, dass sich mobile Konsumenten in Slowenien selbst mit geringen Mengen qualitativ höherwertigen Suchtgifts wie Heroin und Kokain versorgen und nicht im Nahbereich von Straßenhändlern gestrecktes Suchtgift kaufen", erklärt Herbert Rogl vom LKA.

An der steigenden Zahl der Therapiebedürftigen in der Klagenfurter Drogenambulanz lässt sich der Trend hin zu Suchtmitteln ebenfalls ablesen. "2002 haben wir 107 Klienten betreut, seit zwei Jahren sind es konstant 650", erklärt Leiterin Claudia Scheiber. Es gibt einen Aufnahmestopp, Patienten müssen auf die Ambulanz in Villach ausweichen. "U-47700" sei in ihrer Einrichtung "natürlich Thema", sagt Scheiber. "Es ist nicht nachweisbar, unberechenbar, und die Süchtigen haben im Umgang keine Erfahrung."

Nur vier Entzugsbetten

Neben Ambulanzen mangelt es in Kärnten an Entzugsbetten: Derzeit stehen nur vier zur Verfügung. "Die Klagenfurter Drogenambulanz wird in größere Räumlichkeiten umziehen. Und im Klinikum ist im Zuge eines Umbaus eine Entzugsbettenstation vorgesehen", deponiert Barbara Drobesch, Leiterin der Suchtprävention des Landes.