Chronik | Österreich
06/05/2014

Kirchen-Vandale ist frei und "schuldunfähig"

Der Vandale vom Stephansdom hat laut Gutachten die "Psychose überstanden".

Eine Psychose bewahrt den 37-jährige Ghanaer, der in sechs Wiener Gotteshäusern wütete, vor einer Verurteilung. Von Februar bis April zerstörte der Mann Statuen und Reliquien im Wert von 150.000 Euro – unter anderem trieb er auch im Stephansdom sein Unwesen.

Als Grund für seine Vandalen-Tour gab er der Polizei gegenüber an, dass Gott es ihm aufgetragen habe, um gegen die Heiligenverehrung vorzugehen.

Psychose überstanden

Der Beschuldigte war bis zuletzt in der forensischen Psychiatrie Wien untergebracht. "Er hat die Psychose überstanden und ist stabil. Darum konnte er jetzt auf freien Fuß gesetzt werden", erklärte Verteidiger Roland Friis gegenüber dem KURIER.

Dass der 37-Jährige wahrscheinlich mit keinen weiteren rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, liegt an einem Gutachten von Gerichtspsychiaterin Gabriela Wörgötter. Zum Zeitpunkt der Sachbeschädigungen hatte der Mann demnach eine paranoid-schizophrene Erkrankung und konnte Recht nicht von Unrecht unterscheiden.

Einen Prozess wird es am 26. Juni trotzdem geben. Gegen den Beschuldigten wird nämlich auch noch in anderen Strafsachen ermittelt. Bei der Verhaftung kam es zu Widerstand gegen die Staatsgewalt. Auch wegen anderen Kleindelikten, wie Sachbeschädigung am Polizeiauto, muss er sich verantworten. "Vermutlich muss der Beschuldigte aber nicht in Haft, weil er bereits seit 1. April in der forensischen Psychiatrie seine U-Haft abgesessen hat", erklärt Strafverteidiger Friis weiter.

Verein "kümmert sich"

Nach der Enthaftung wird der Ghanaer in einem afrikanischen Kulturverein Unterstützung finden. Laut Friis "kümmert sich die Initiative schon seit der Verhaftung um ihn".

Kirchen verwüstet: Verwirrung um Kapuzenmann

Jetzt wird es kompliziert: Nachdem ein 37-jähriger Asylwerber sechs Kirchen verwüstet haben soll, wurde er am Dienstag wegen Wiederholungsgefahr in Haft genommen. Bei den Vernehmungen kam erst der Verdacht auf, dass der neue Vorfall in der Barnabiten-Kirche in Wien-Mariahilf auf das Konto einer Trittbrettfahrerin geht. Doch im Lauf des Tages gab es Entwarnung – der Verdächtige dürfte eine Kapuze getragen haben und nicht eindeutig als Mann erkennbar gewesen sein. Laut Polizei gab er auch den Vandalismusakt in der Barnabiten-Kirche zu.

Wie berichtet, wurde am Samstag ein Asylwerber festgenommen, nachdem er im Stephansdom eine Statue vom Sockel gestoßen hatte. Gleichzeitig wurden Schäden in weiteren Kirchen festgestellt. Dennoch wurde der Mann auf freien Fuß gesetzt.

Nach dem jüngsten Vorfall wurde der Verdächtige nach einem Amtstermin im Flüchtlingslager Traiskirchen erneut festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann an einer schweren Psychose leidet. "Er sagt, Gott habe ihm das aufgetragen", erzählt ein Sprecher der Wiener Polizei. Dem 37-Jährigen konnten auch DNA-Spuren von anderen Tatorten zugeordnet werden.

Betroffen waren am 7. Februar die Pfarre St. Othmar am Kolonitzplatz in Wien-Landstraße, am 29. März dann eine Kirche in Wien-Josefstadt am Uhlplatz, außerdem in Wien-Neubau (Lazaristenkirche) sowie die Pfarrkirche Neuottakring (Familienplatz) und der Stephansdom.

Bestürzung ist groß

Der jüngste Vorfall ereignete sich Dienstagfrüh kurz vor der 8-Uhr-Messe. Binnen weniger Minuten wurden in der Barnabiten-Kirche zwei Heiligenfiguren Opfer von Vandalismus: Eine massive Holzfigur aus dem 18. Jahrhundert, die den Heiligen Zacharias darstellt, wurde schwer beschädigt, eine Marienstatue aus Gips völlig zerstört.

Den Heiligen Zacharias stieß der mutmaßliche Vandale trotz seines Gewichts vom Sockel. Danach riss man ihm den rechten Arm ab. "Von der einen Meter großen Marienstatue blieb nur mehr ein Haufen Scherben übrig“, berichtet Kaplan Kasimir Tomaszewski bestürzt. Die Anteilnahme in der Pfarre Mariahilf ist groß: Auf dem Paulus-Altar, den die Mutter Gottes bis dato geziert hatte, stellten Gläubige Gedenkfotos auf.

Seitens der Erzdiözese Wien bedauert man die Beschädigungen zwar – Rachegefühle habe man aber keine, sagt Sprecher Michael Prüller. "Vergeltung ist kein christlicher Terminus." Man gehe davon aus, dass die Justiz den Verdächtigen fair behandle und etwaige psychische Probleme berücksichtige. Kardinal Christoph Schönborn werde den Vandalen ins Gebet miteinschließen.