ARCHIV - Eine Autofahrerin raucht am Steuer ihres Fahrzeugs in Lichtenfels (Symbolfoto für Rauchverbot am Steuer - Archivfoto vom am 03.05.2005). Rund 64 Prozent der deutschen Autofahrer sprechen sich für ein gesetzlich verankertes Rauchverbot in Kraftfahrzeugen aus. Dies sei das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Auto Club Europ (ACE), die am Samstag (07.10.2006) in Stuttgart veröffentlicht wurde. Foto: Marcus Führer dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

© APA/Marcus Führer

Kinderschutz
02/05/2013

Ärzte fordern Rauchverbot in Autos

Passivrauchen im Auto belastet Kinder stärker. Minister appelliert an Vernunft der Eltern

von Michael Berger

Rauchverbot in Autos, wenn Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren mitfahren – mit dieser Forderung machen Österreichs Ärzte und Nichtraucher-Vereinigungen Druck auf Gesundheitsminister Alois Stöger.

Grund für diese Offensive ist das kaum exekutierte Tabakgesetz in Österreich. Dietmar Erlacher, landesweit aktivster Rauchsheriff, sagt zum KURIER: „In vier Jahren haben wir 18.000 Verstöße gegen den Nichtraucherschutz in der Gastronomie angezeigt. Magistrate und Bezirkshauptmannschaften haben als zuständige Behörden nicht einmal einen Bruchteil dieser Anzeigen verfolgt. Die Politik muss zumindest Kinder vor dem Passivrauchen schützen.“

Höchste Priorität

Unterstützung kommt von der österreichischen Ärztekammer. Allen voran Präsident Arthur Wechselberger: „Der Schutz unserer Kinder vor dem Passivrauchen hat höchste Priorität. Ich kann mir hier ein neues Gesetz vorstellen. Aus medizinischer Sicht gibt es nicht den geringsten Zweifel.“ Zur laufenden Diskussion um den Nichtraucherschutz in der Gastronomie macht sich Ärztechef Wechselberger seine Gedanken: „Was hilft eine Verschärfung einer Gesetzgebung, wenn die Bestehende ignoriert wird. Das laxe Tabakgesetz braucht Kontrolle.“

Thomas Szekeres, Wiener Ärztekammerpräsident unterstreicht diese Meinung : „Jede Verschärfung des aktuellen Tabakgesetzes ist zu begrüßen. Wir unterstützen jede Initiative in diese Richtung. Aber Gesundheitsminister Stöger erhält, wie wir wissen, im Parlament dafür keine Mehrheit.“

Kein Reformwille

Auf ein generelles Rauchverbot – wenn Kinder im Auto sind – angesprochen, bestätigt Minister Alois Stöger indirekt den parlamentarischen Stillstand: „Ich appelliere an die Verantwortung der Erwachsenen. Wenn Kinder im Auto sind , muss auf die Zigarette verzichtet werden. Ein solches Gesetz wäre schwer zu exekutieren.“ Stöger weiter: „Wenn der Nachwuchs Ski fährt, ist der Helm ebenfalls nicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Eltern aber schützen ihren Nachwuchs.“

In Zypern, Griechenland, Kanada, Australien, Südafrika und vielen US-Staaten sind Rauchverbote, wenn Kinder mitfahren, aufrecht. Die Polizei überprüft bei Routinekontrollen und an Kreuzungen.

Manfred Neuberger, Präventivmediziner an der Uni-Wien, erklärt die Folgen, wenn Kinder im Auto passiv mitrauchen: „Atemwege, Gehirn und Blutgefäße werden angegriffen. Laut australischer Studien ist die Schadstoffbelastung im Pkw 30-mal höher als in Wohnungen. Und diese Kinder werden oft zu Rauchern.“

Nur sinnvoll, wenn Gesetz auch exekutiert werden kann

Seitens der Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ kann man sich ein Rauchverbot in Autos vorstellen, stellt aber die Frage nach der Exekutierbarkeit.

ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer: „Natürlich wäre so ein Verbot nach dem Muster der Kindersicherungspflicht konzipierbar. Der Gesundheit und der Verkehrssicherheit wäre das dienlich. Aber wer soll ein solches Verbot schließlich kontrollieren. Siehe Handyverbot. Über die Straßenverkehrsordnung wird das eher nicht funktionieren. Gesundheitsthemen müssen auch mit gesundheitspolitischen Werkzeugen behandelt werden.“

ARBÖ-Sprecherin Sieglinde Rernböck appelliert an die Eigenverantwortung der Erwachsenen in den Autos: „In den kleinen Fahrgastzellen belastet der Rauch den Nachwuchs enorm. Ich gehe aber davon aus, dass viele Raucher das wissen.“ Nachsatz: „Wie und wer sollte ein Verbot überprüfen? Es ist aber klar, dass ein Rauchverbot in Autos die Verkehrssicherheit heben würde.“

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