Chronik | Österreich
28.10.2017

Kein Abnehmer für das HCB-Heu

7000 Tonnen kontaminierter Futtermittel müssen laut Bescheid bald entsorgt werden.

Hexachlorbenzol – kurz HCB – diese Abkürzung hat sich in die Köpfe der Bürger eingebrannt, seit im November 2014 der Umweltskandal im Kärntner Görtschitztal publik wurde. Folglich wollte im Vorjahr schon kein europäisches Zementwerk den mit HCB kontaminierten Blaukalk verwerten. Eine Notlösung wurde gewählt: Die Deponie in Brückl wurde versiegelt und das 140.000 Tonnen schwere Problem den nachfolgenden Generationen überlassen.

Ähnliches droht nun bei 7000 Tonnen Heu, das mit HCB kontaminiert ist und seit Jahren im Görtschitztal zwischengelagert wird.

Es handelt sich um ein Relikt des Umweltdramas: Im Dezember 2014 ließ das Land Kärnten das auf den Bauernhöfen im Tal gehortete, verunreinigte Futtermittel austauschen. Fünf Millionen Euro kostete das Unterfangen. Das Zementwerk Wietersdorfer & Peggauer in Klein St. Paul – dort wurde der HCB-hältige Kalk unsachgemäß verbrannt – erklärte sich bereit, die Lagerung und Entsorgung jener Heuballen zu organisieren und zu finanzieren, die HCB-Spuren jenseits der Grenzwerte aufgewiesen hatten. Diese 7000 Tonnen Stroh werden bis heute am Firmengelände aufbewahrt. Kosten von 1,5 Millionen Euro seien angefallen, rechnet "w&p"-Sprecherin Michaela Hebein vor.

Die Zeit läuft ab

"Wir haben ein spezielles Plastikmaterial verwendet, damit kein Umweltgift austreten kann", sagt Hebein. Laut Bescheid der zuständigen BH St. Veit darf das Heu vor Ort allerdings nur noch bis 31. Jänner 2018 zwischengelagert werden, dann muss eine Verbrennung oder Deponierung erfolgen. Seit Monaten bemüht sich das Werk um einen Abnehmer – vergeblich. "Es ist nicht einfach, eine Firma zu finden, die mit HCB verunreinigtes Material verbrennen will, obwohl in den 7000 Tonnen genau genommen ‚nur‘ 86 Gramm HCB enthalten sind", erklärt Hebein. Lediglich ein Entsorger aus Asien hat sich gemeldet – er scheidet allerdings aus, weil die Transportkosten Unsummen verschlingen würden.

"Nicht in Kärnten"

Für die Verwertung wäre theoretisch jede Müllverbrennungsanlage geeignet, auch jene in Arnoldstein/Kärnten. Als Verbrennungsort komme Kärnten jedoch dezidiert nicht in Frage, betont Hebein. Damit schließt sie auch das eigene Werk aus, obwohl es in den letzten Jahren um Millionen nachgerüstet wurde.

Von Seiten des Landes heißt es aus dem Büro von Umweltreferent Rolf Holub (Grüne), man würde "w&p" bei der Suche nach einem Abnehmer unterstützen. Die KURIER-Nachfrage, wie diese Unterstützung aussehe, blieb unbeantwortet.

Zwei bis vier Millionen

Für die Entsorgungskosten von zwei bis vier Millionen Euro würde nach wie vor "w&p" aufkommen, lässt die Konzernsprecherin wissen, obwohl die juristische Aufarbeitung des Umweltskandals nach wie vor im Anfangsstadium steckt. Ermittelt wurde und wird von Seiten der Staatsanwaltschaft Klagenfurt gegen das Zementwerk, gegen Mitarbeiter der Firma sowie gegen Beamte der Kärntner Landesregierung, die für die Genehmigung der Blaukalk-Verwertung sowie für die Kontrolle der sachgemäßen Verbrennung verantwortlich gewesen sein sollen. In den meisten Fällen geht es um den Vorwurf der fahrlässigen Beeinträchtigung der Umwelt.