Chronik | Österreich
23.06.2017

Kapfenbergs Stadtchef gibt überraschend sein Amt ab

Manfred Wegscheider, Ex-Landesrat und Ex-Landtagspräsident, verlässt die Kommunalpolitik.

Zuerst Leoben, dann Bruck an der Mur und jetzt Kapfenberg. Innerhalb von drei Jahren traten in roten Bastionen der Obersteiermark langjährige Bürgermeister zurück. Nach Matthias Konrad 2014 (Leoben) und Hans Straßegger (im April dieses Jahres) machte Manfred Wegscheider gestern in Kapfenberg diesen Schritt: "Ich glaube, wenn man am 68er knabbert, scheint das gerechtfertigt."

Das kam durchaus überraschend. Wegscheider war insgesamt elf Jahre lang Stadtchef, allerdings mit Unterbrechungen: Zwischen 2005 und 2012 fungierte er als Landesrat beziehungsweise Landtagspräsident. Wegscheiders Nachfolger wird sein bisheriger Vize, Fritz Kratzer, er soll am 4. September im Gemeinderat gewählt werden. Er plane eine Wohnbauoffensive und wolle auch mehr in Richtung Bildung machen, kündigte er an. Beruflich ist Kratzer in den Kapfenberger Stadtwerken tätig.

Oft auch kritisch

Wegscheider gilt als kritische Stimme, die auch die eigenen Parteichefs nicht schonte. Als die SPÖ bei den Nationalratswahlen 2013 in der Steiermark hinter die FPÖ fiel, forderte Kapfenbergs Stadtchef doch etwas mehr Nachdenken von der rot-schwarzen "Reformpartnerschaft", die sich gerade mit den Gemeindefusionen unbeliebt machte. Allerdings verlor Wegscheider selbst bei den Gemeinderatswahlen 2015 sieben Prozentpunkte, die SPÖ fiel auf rund 48 Prozent. Im Gemeinderat blieb aber mit 17 von 31 Mandaten die Absolute erhalten.

Seinen Nachfolger Kratzer mahnte Wegscheider gestern, nicht nur an die Stadtentwicklung zu denken, sondern darüber hinaus. "Es geht um das gesamte regionale Geschehen", betonte Wegscheider, auch wenn er Kapfenberg als Motor betrachte.