Seit dem HCB-Skandal wird ein Umweltmediziner gesucht

© /Mitja Kobal/Greenpeace

Umweltskandal
03/03/2017

Kärnten sucht den Umweltmediziner

Posten seit Jahren unbesetzt. Nur ein Kandidat stellte sich dem Hearing: Er pokert jetzt um Geld.

von Thomas Martinz

Abgeschlossenes Studium der Humanmedizin, Erfahrung im Erstellen von Gutachten, Kommunikationsfähigkeit – so lautet das Anforderungsprofil für den Job des Kärntner Landesumweltmediziners bei der österreichweiten Ausschreibung. Und "Problemlösungserfahrung" natürlich: Dass sich potenzielle Kandidaten in Kärnten außerordentlich oft mit Umweltgiften wie Hexachlorbenzol, Hexachlorbutadien, Bor, Uran, Arsen oder Glyphosat herumschlagen müssen, liegt auf der Hand. Daher ist letztlich nur ein Bewerber übrig geblieben, der nun mit dem Land bereits drei Wochen lang ums Gehalt feilscht.

Seit die ehemalige Umweltmedizinerin und nunmehrige Klagenfurter Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz im Jahr 2003 in die Politik wechselte, gab es auf dem Landesposten nur Interimslösungen. Bricht ein Umweltskandal auf, so müssen Leistungen von der Uni Wien zugekauft werden. Um wieder günstiger und rascher agieren zu können, wurde der Job des Landesumweltmediziners zwei Mal Kärnten-weit ausgeschrieben – jeweils meldete sich kein einziger Bewerber.

"Es handelt sich um eine heikle Position, man muss fachlich und menschlich gesetzt sein, großes Wissen und Feingefühl im Umgang mit besorgten Menschen haben. Und die Rückendeckung der Politik ist in diesem Job vonnöten; ein Landesumweltmediziner ist stets im Spannungsfeld zwischen Politik, Betriebsansiedelungen und Umweltaktivisten angesiedelt", sagt Mathiaschitz.

Klagen abschreckend

"Die Presseberichte rund um HCB waren natürlich zusätzlich abschreckend, immer wieder standen ja Klagen gegen Landesbeamte im Raum", bringt Günther Wurzer von der Gesundheitsabteilung des Landes ein weiters Argument ein. Und dann kommt noch ein nicht unbedeutender Faktor ins Spiel: Das gebotene Einstiegsgehalt von 2500 Euro brutto ohne Vordienstzeiten war auch nicht gerade verlockend.

Kurz vor Jahreswechsel erfolgte schließlich die dritte Ausschreibung – österreichweit, mit einer Gehaltsaufbesserung und der Zusicherung des Landes, die Kosten für Zusatzausbildungen zu übernehmen. "Letztlich haben sich zwei Bewerber gemeldet, aber einer davon ist dann ohne Angabe von Gründen gar nicht zum Hearing gekommen", sagt Gerald Ring von der Personalabteilung. Beim übrig gebliebenen Mediziner handle es sich um einen geeigneten Kandidaten mit mehrjähriger Berufserfahrung. Ring: "Wir warten auf seine Zusage, sind quasi auf ihn angewiesen."

Arzt stellt Forderungen

Dies dürfte dem Arzt nicht entgangen sein, denn er verhandelt über eine weitere Gehaltsaufbesserung. Und dies bereits seit drei Wochen. Welche Summe dem Bewerber geboten wurde, gibt das Land nicht bekannt. Auch nicht, wie viel Geld in den vergangenen Jahren für externe Expertisen ausgegeben wurde.

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