Jugendliche Flüchtlinge lernen für eine Lehrstelle am Bau

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Foto: /elmar gubisch 34 Jugendliche werden ausgebildet

Projekt zur Integration: Die Bauwirtschaft sucht Lehrlinge, die Burschen wollen arbeiten.

Seit einem Jahr und zwei Monaten ist Hussein in Österreich. Alleine aus Afghanistan geflüchtet, lebt der mittlerweile 17-Jährige in Niklasdorf. "Ich will gerne hier bleiben. Ja, natürlich", strahlt er und erläutert in fließendem Deutsch, was er denn gerade in einer Halle der Firma Hinteregger baut: "Ich glaube, das wird heute ein Kamin."

Hussein ist einer von 34 UMF, den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die im Rahmen des Projekts "Talente für Österreich" in der Obersteiermark ausgebildet werden. "Wir betrachten unsere Burschen jetzt einmal nicht als traumatisierte Jugendliche, sondern sagen: Diese Menschen kommen mit Ressourcen", sagt Projektleiter Josef Missethon.

Arbeiter gesucht

Gemeinsam mit der Bauwirtschaft zog man das Pilotprojekt auf: Am Bau werden dringend Lehrlinge gesucht, speziell Maurer, die jungen Flüchtlinge dagegen suchen Arbeit. "Eine Win-win-Situation", ist Josef Pein vom Fachverband der Bauindustrie überzeugt. "So werden diese jungen Leute von Empfängern zu Zahlern in das Sozialsystem."

Im Mai 2016 war der Start. Ein Jahr dauert die Ausbildung, die die Burschen fit für Lehre und Berufsschule machen soll: Fünf Stunden Schule täglich, Mathematik, Werteunterricht und Sachkunde, ganz oben steht der Deutschunterricht. Vor einem Monat startete zusätzlich die praktische Ausbildung. "Wir haben gefragt, was braucht ihr in der Bauwirtschaft?", erinnert sich Josef Missethon. Die Antwort war eindeutig: "Deutsch müssen sie können, Teamfähigkeit muss sein und einen Nagel sollten’s einschlagen können, salopp gesagt."

Aufgebaut ist das System wie ein Internat. Im Juni endet die Ausbildung für Hussein und seine 33 Mitstreiter. "Ich hoffe, sofort arbeiten zu können", wünscht sich der 17-Jährige. Für zehn Burschen gibt es bereits fixe Zusagen für Lehrstellen, doch da gibt es noch einen rechtlichen Haken: Sie alle, Afghanen und Pakistani, sind zwar bereits zwischen 12 und 18 Monaten in Österreich - doch ihre Asylverfahren laufen noch immer.

Ohne aufrechten Status als Asylberechtigte dürfen die jungen Flüchtlinge allerdings nicht arbeiten, auch eine Lehrstelle ist dann nicht möglich. Missethon hofft, dass die Jugendlichen bis Juni ihre Bescheide bekommen. Falls nicht, stehen die Burschen aber nicht auf der Straße: "Wir werden sie weiter betreuen, auch, wenn sie dann schon über 18 Jahre alt sind." Das Projekt soll generell weitergeführt werden, wenn "es den Bedarf gibt".

(kurier) Erstellt am
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