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Chronik | Österreich
12/10/2013

Islamistische Attacke auf Nikolaus war ein Märchen

Eine Behauptung kursierte rasend schnell im Netz.

Welche Kreise ein unbedarft ins Netz gestellter Kommentar ziehen kann, hat ein Vorfall in einem Interspar-Markt in Kufstein gezeigt. Am vergangenen Freitag hatte dort der Nikolaus mit zwei kleinen Engeln seinen großen Auftritt. Doch der Andrang war so groß, dass Filialleiter Stefan Hofer die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abbrechen musste. Auf Facebook postete ein Einheimischer daraufhin u.a. „Der Nikolaus musste unter Begleitschutz aus dem Einkaufscenter gebracht werden, weil sich Islamistische (sic) Mitbürger gestört gefühlt haben!“

Angst um kleine Engel

Davon kann laut Hofer aber keine Rede sein. „Es waren sehr viele Jugendliche ohne Eltern da. Die haben dann angefangen sich selbst aus den Körben zu bedienen, aus denen die Engel Schokolade verteilt haben.“ Den zwei Siebenjährigen wurden in dem Gedränge die Perücken heruntergerissen, weshalb der Marktleiter die Aktion beendete. „Aber es gab keinen islamistischen Akt.“

Doch die Behauptung kursierte rasend schnell im Netz, wie die Internetseite heimatohnehass.at aufzeigte. Ein Bild von dem Posting wurde unter anderem vom Wiener FPÖ-Politiker Johann Gudenus und der Kärntner FPK auf Facebook geteilt. Beide nahmen das Bild später jedoch wieder von ihren Internetseiten.

Poster nicht dabei

„Das Teilen hat nicht mehr aufgehört“, wundert sich Spar-Mitarbeiter Hofer darüber, „wie auf Facebook aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde“. Er kennt den Mann, der hinter dem auslösenden Posting steht und weiß: „Er war bei der Veranstaltung nicht einmal dabei.“ Nichts dran sei auch an den Behauptungen, wonach dem Nikolaus Prügel angedroht wurden. Er musste sich aber aufgrund des Gedränges ins Büro des Marktleiters zurückziehen.

Der ärgert sich, dass die Aktion derart eskaliert ist: „Wir veranstalten das seit sieben Jahren. In den Gemeinden wird ja immer weniger gemacht. Ein Angestellter von mir geht dabei als Nikolaus und ich sponsere die Schokolade.“ Ob Hofer nächstes Jahr wieder einen Nikolo-Event macht, will er sich erst überlegen.