Innsbruck: Piraten entern Gemeinderat

Die ÖVP wird in Innsbruck Nummer 1, sie verdrängt eine Schwester-Liste. Die SPÖ rutscht ab, Pirat im Gemeinderat.

In der 120.000-Einwohner-Stadt Innsbruck fanden am Sonntag Gemeinderatswahlen und erstmals eine Bürgermeister-Direktwahl statt. Es waren die ersten größeren Wahlen nach einer langen Pause. Zuletzt hatten die Steirer am 27. Oktober 2010 einen neuen Landtag gewählt.

Das vorläufige Ergebnis ohne Wahlkarten bescheinigt der ÖVP einen Wahlsieg: Sie erobert den ersten Platz in der Tiroler Landeshauptstadt, zuvor war sie auf dem 4. Platz gelegen (siehe Grafik).

Die Zugewinne der ÖVP gehen vor allem zu Lasten ihrer Schwester-Partei, der Liste "Für Innsbruck" (FI). Demnach kann die ÖVP mit 21,7 Prozent die FI, die von 26,8 auf 20,8 Prozent abstürzt, überholen. Insgesamt bleibt das schwarze Lager so stark wie zuvor.

Die FI war einst von Herwig van Staa, dem späteren ÖVP-Landeshauptmann und nunmehrigen ÖVP-Landtagspräsidenten, gegründet worden. Die FI stellt derzeit die Bürgermeisterin, doch auch Christine Oppitz-Plörer verfehlte am Sonntag ihre Wiederwahl deutlich. Die Stamm-ÖVP greift selbst nach dem Bürgermeister-Amt. Ihr Spitzenkandidat Christoph Platzgummer kommt auf  28 Prozent der Stimmen und ist Oppitz-Plörer (31 %) dicht auf den Fersen. Der Kampf bei der Stichwahl am 29. April lautet: Schwarz gegen Schwarz.

Erfolg für Piraten

Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer und Christoph Platzgummer (ÖVP)
© Bild: APA ROBERT PARIGGER

Das freiheitliche Lager wird etwas stärker. Die Liste Rudi Federspiel kann sich mit leichten Verlusten bei acht Prozent halten. Die Stamm-FPÖ, die mit einem dummen Plakat gegen Marokkaner im Wahlkampf negativ auffiel, legt von fünf auf 7,9 Prozent zu.

Die SPÖ büßt am meisten von allen Verlierern ein und rutscht  von 19,7 auf 14,8 Prozent ab.

Die Grünen können sich mit 18,8 Prozent halten.

Erstmals traten in Innsbruck die Piraten an. Sie können mit vier Prozent auf Anhieb einen Achtungserfolg erringen und in den Gemeinderat einziehen. Der 38-jährige Koch Alexander Ofer dürfte der erste Pirat in einer österreichischen Körperschaft werden.

Hälfte blieb daheim Wahlberechtigt waren 96.861 Personen ab 16 Jahren. Die Wahlbeteiligung sank mit 49,7 % unter die 50-Prozent-Marke. 2006 betrug sie 57,8 %.

 

Kein Bundestrend

Wahl in Innsbruck
© Bild: Grafik: Schimper, Quelle: Stadt Innsbruck

Ein Bundestrend lässt sich aus Innsbruck kaum ablesen. Gemeinderatswahlen sind in der Regel Lokalereignisse, Innsbruck mit seinen vielen Listen besonders. Allerdings werden die Gewinner-Parteien versuchen,  stimmungsmäßig Kapital zu schlagen. Das kommt vor allem der von Korruptions-Affären gebeutelten ÖVP zupass. Für Landeshauptmann Günther Platter ist der ÖVP-Erfolg in Innsbruck ein positives Vorzeichen für die Landtagswahl in einem Jahr.

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( Kurier ) Erstellt am 16.04.2012