Chronik | Österreich
30.05.2017

In Deutschland angeklagter Zahnarzt soll in Wien praktizieren

Die Behörden vermuteten den Mann im Mittleren Osten.

Zahnärztekammer prüft. Er soll mehr als 30 Patienten ohne medizinische Notwendigkeit gesunde Zähne gerissen und teure Implantate verkauft haben – deshalb muss sich ein Zahnarzt aus der Nähe von Pforzheim in Deutschland vor Gericht verantworten. Laut der Pforzheimer Zeitung ist der Mann aber weiterhin als Arzt tätig – und zwar in Österreich.

Der Mediziner, der ursprünglich aus dem Mittleren Osten stammen soll, hat laut einer Fachzeitschrift für Zahnärzte erst im vergangenen Monat zwei Praxen in Wien angemeldet.

Auf KURIER-Anfrage erklärte Claudius Ratschew, Sprecher der österreichischen Zahnärztekammer, dass der Fall bekannt sei und geprüft werde. "Wir sind mit der baden-württembergischen Kammer in Verbindung und müssen abwarten, wie es sich entwickelt", sagt der Mediziner. Bislang hätte der Zahnarzt demnach noch keine Praxis in Wien eröffnet.

Die nötigen Unterlagen, um praktizieren zu dürfen – etwa ein Leumundszeugnis der zuständigen deutschen Behörden –, seien aber eingereicht und anerkannt worden. Sollte der Mann wegen Körperverletzung verurteilt werden, würden er das Recht zu praktizieren natürlich auch in Österreich verlieren.

Zunächst stufte die Pforzheimer Staatsanwaltschaft den Fall als schwere Körperverletzung ein. Die Strafkammer des Landesgerichts Karlsruhe will den Fall allerdings nur wegen einfacher Körperverletzung verhandeln. Dass es überhaupt zu einer Verhandlung kommen könnte, steht erst seit den neuen Erkenntnissen mit Österreich-Bezug fest. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Mann im Mittleren Osten in einer Schönheitsklinik tätig ist. Da das Land aber kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat, war unklar, ob er überhaupt belangt werden kann.