Chronik | Österreich
28.07.2017

Immer mehr Falschmeldungen zu Brennergrenze im Netz

Christen auf dem Weg zu einem Gottesdienst in der Schweiz werden in Sozialen Medien zu angeblichen Migranten, die über den Brenner wollen

Ein Autofahrer steuert seinen Wagen durch einen kleinen Ort. Durch die Windschutzscheibe filmt er am Gehsteig gehende Gruppen von Afrikanern. Viele von ihnen singen. Begleitet wird der Tross von Personen in orangen Warnwesten.

Das Video geistert derzeit durchs Netz. "An der Brennergrenze vor einer Stunde" soll es entstanden sein.

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Irgendwer müsse lügen – entweder Bundeskanzler Kern oder Außenminister Kurz – heißt es im mitversandten Kommentar.

Irgendwer lügt wirklich. Es sind rechte Hetzer, die Falschmeldungen streuen. Der Beweis ist schnell erbracht. Jeder Ortskundige erkennt, dass im Video nicht der Brenner gezeigt wird. Das ringsum auf dem vermeintlichen Gebirgspass keine Berge zu sehen sind, könnte aber auch so stutzig machen. Der Fahrer im Video spricht dann auch mit Schweizer Akzent und sagt sogar selbst: "Wir sind hier in Brügg." Das ist eine Gemeinde bei Bern in der Schweiz.

Auch das ist ohne großen Aufwand schnell zu belegen. Ein Abgleich zwischen Google Street View und dem Video fällt eindeutig aus.

Laut Kantonspolizei Bern handelt es sich bei den Menschen im Video um Teilnehmer einer religiösen Veranstaltung im Nachbarort von Brügg, heißt es auf KURIER-Nachfrage. Laut einem Bericht der Funke-Mediengruppe sollen die Leute in dem Video in der Schweiz lebende Christen aus Eritrea sein.

Die Tiroler Polizei ortet eine Zunahme von Falschmeldungen rund um den Brenner. Das Innenministerium musste dieser Tage eine weitere Märchengeschichte dementieren, wonach nächtens Busse mit Asylwerbern von Italien nach Österreich gebracht werden. In anderen Berichten war auch die Rede davon, dass die Busse nach Deutschland fahren. Auch diese Geschichte wurde durch Recherchen widerlegt - etwa durch einen Faktencheck der ARD.