Chronik | Österreich
31.03.2017

Im Stadion wächst ein Mischwald

Klagenfurt hofft auf großen Werbeeffekt durch Kunstprojekt, das Fragen aufwirft. Ein Faktencheck:

Steuergeldvernichtung, Aprilscherz oder hohe Kunst? Das Vorhaben des Künstlers Klaus Littmann aus Basel, im Klagenfurter Wörtherseestadion einen Mischwald zu präsentieren, spaltet die Kärntner Bevölkerung und wirft einige Fragen auf. Der KURIER hat die Fakten gecheckt:

Will ein Schweizer die Kärntner pflanzen?

Das Projekt namens "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" nach einer Zeichnung des Tiroler Malers Max Peintner ist real, vom Klagenfurter Stadtsenat (gegen die Stimmen der FPÖ) abgesegnet und wird im September und Oktober 2019 im Wörthersee-Stadion umgesetzt. 190 rund 13 Meter hohe Laubbäume werden angekauft und in Containern am Fußballfeld aufgestellt. Littmann gilt als renommierter Künstler und verspricht: "Die Bilder werden um die Welt gehen." Später sollen die Bäume im nahegelegenen Lakeside Park eingepflanzt werden.

Ist das Projekt ausfinanziert?

Nein. Der Initiator will die Hauptkosten von 1,5 Millionen Euro stemmen, gesteht jedoch: "Wir müssen 190 Baumpatenschaften zu je 5000 Euro verkaufen und zusätzlich Sponsoren gewinnen."

Stimmt es, dass der Steuerzahler nicht zur Kasse gebeten wird?

Nein. Das Wörthersee-Stadion hat einen jährlichen Abgang von 1,2 Millionen Euro zu verzeichnen, den die Stadt als Muttergesellschaft des Betreibers Sportpark deckt. Wird das Oval zwei Monate blockiert, kann der Verlust weder kompensiert, noch ein Gewinn durch eventuelle tageweise Vermietung erwirtschaftet werden. Littmann zahlt dem Sportpark nichts, das hat die Stadt zugesichert. Am Sportpark bleiben indes Wasser- und Stromkosten hängen, denn das Kunstwerk soll täglich bis 22 Uhr mit Flutlicht beleuchtet werden. "Wir schätzen die Kosten auf 40.000 Euro", sagt Sportpark-Geschäftsführer Daniel Greiner. Der Eintritt ist frei, damit bleibt als möglicher Profit der Werbeeffekt.

Wer ersetzt den kaputten Rasen, ist die Brandgefahr erhöht und wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus?

"Ich sorge für den neuen Rasen", verspricht Littmann. Die Kosten belaufen sich auf 200.000 Euro, einen Vertrag zwischen Littmann und der Stadt gibt es nicht. Stadtrat Jürgen Pfeiler ( SPÖ) meint, am Sicherheitskonzept und der Versicherungssumme ändere sich nichts. Stadtrat und Feuerwehrmann Wolfgang Germ (FPÖ) bezweifelt dies. "Die Arena muss zwei Monate lang rund um die Uhr überwacht werden, jemand könnte den Wald samt Stadion abfackeln. Auf Mitarbeiter- und Genehmigungskosten vergessen die Kollegen leider ebenfalls."

Was passiert mit Fußballklub Austria Klagenfurt?

Der Drittligist spielt gratis im Stadion, das ist vertraglich zugesichert. "Wir werden bei der Liga anklopfen, damit die Austria in dieser Zeit möglichst nur Auswärtsspiele absolviert", erklärt Greiner. "Kommt nicht in Frage, ich lass mir zu Meisterschaftsbeginn nicht den Heimvorteil nehmen", kontert Präsident Peter Svetits. Sollte der Verein 2019 in der zweithöchsten Liga spielen, kommen als Ausweichorte St. Veit oder Wolfsberg in Frage – auf Kosten der Stadt Klagenfurt.