Chronik | Österreich
28.12.2017

Illegales Glücksspiel: Die Millionäre im Hintergrund

Razzia in Wien © Bild: KURIER/Dominik Schreiber

Wer vom illegalen Glücksspiel profitiert: Österreichische Drahtzieher, osteuropäische Automaten und tschetschenische "Securitys".

Zweistellige Millionenbeträge als Reingewinn jedes Jahr für die Hintermänner, steigende Gewalt der albanischen, ex-jugoslawischen und tschetschenischen "Security-Mitarbeiter". Finanzbehörden, die aus Sicherheitsgründen nur mit der Eliteeinheit WEGA, Feuerwehr, Elektrikern und Entminungsdienst zu Razzien ausrücken – aus Angst vor Angriffen mit Reizgas oder Stromfallen. Außerdem Strafen, die oft ins Leere laufen und geschätzte rund 70.000 (teils minderjährige) Spielsüchtige, die das letzte Geld ihrer Familien und Freunde in Automaten verzocken, bevor sie straffällig werden, um Bares herbeizuschaffen.

"Wenige wurden reich"

Die aktuelle Bilanz in Hinblick auf illegales Glücksspiel ist düster. Dennoch ist es in Österreich nur ein Verwaltungsdelikt. Und jeder Beteiligte ist sich sicher, dass die Lage von Monat zu Monat schlimmer wird statt besser.

Dabei sind die Hintermänner mittlerweile bekannt. Der Glücksspielkonzern Novomatic hat eine umfangreiche Privatermittlung in der Szene finanziert. Dem KURIER liegen die Untersuchungsergebnisse vor, die absolut hochprofessionell gesammelt wurden. Einige Namen der Beteiligten sind dadurch spätestens seit dem Frühjahr den Behörden bekannt. Es gibt Fotos und Firmennamen. Sogar die Orte wurden offenbar herausgefunden, wo jene Gaskartuschen hergestellt werden, die bei Razzien explodieren und schon mehrere Finanzbeamte verletzt haben. Das Fazit des Ermittlungsleiters, der ehemalige Wiener Mordermittler Hans Schaffer: "Der Verbot des kleines Glücksspiels hat einige wenige Menschen in Österreich reich gemacht."

Glücksspiel, Duschek, illegal, Automaten, einarmiger Bandit © Bild: Schaffer Sicherheitsmanegement

Da es in den neun Bundesländern neun unterschiedliche Bestimmungen gibt, florieren die Geschäfte vor allem dort, wo es ein Verbot des kleinen Glücksspiels gibt. Wien, OÖ, Salzburg und NÖ gelten aktuell als die Hochburgen, Vorarlberg, die Steiermark und Tirol sind weitere Schauplätze. Die Internetseitewww.spieler-info.atveröffentlicht sogar die illegalen Standorte in der Bundeshauptstadt – aktuell sind 35 Orte bekannt, woin Kohlenkellern, Lokalen ohne Aufschrift oder Kabinendie einarmigen Banditen bedient werden. Allein in Wien sollen 500 bis 1000 illegale Automaten betrieben werden.

Die mutmaßlichen Drahtzieher

Vier Österreicher gelten dabei laut den Ermittlungen des Teams rund um den Ex-Polizisten Schaffer derzeit als die Zampanos: Zwei leben in Wien, einer davon ist Geschäftspartner eines afrikanischen Diplomaten. Ein weiter mutmaßlicher Kopf wohnt in Oberösterreich und einer in Kärnten. Der Sohn eines der Männer im Hintergrund stellt demnach die Gaskartuschen im Süden Österreichs her. Darunter sollen jene sein, die per Knopfdruck aktiviert werden, wenn die Finanzbeamte Kontrollen durchführen.

Glücksspiel, Duschek, illegal, Automaten, einarmiger Bandit © Bild: Schaffer Sicherheitsmanegement

Eine weitere, fünfte Randperson wollte offenbar den Hells Angels beitreten und diese mit ins Boot holen – aber die Rocker wollten damit nichts zu tun haben. Offiziell wollen sich alle Beteiligte nicht kennen. Erkenntnisse aus den privaten Ermittlungen zeigen aber, dass es durchaus persönliche Treffen gegeben haben dürfte.

Enorme Profite

Über aufwendige Firmengeflechte werden die Spielautomaten offenbar an kleinere Clans und Gruppierungen vermittelt, die für die Sicherheit sorgen. Das betrifft vor allem den Schutz der Automaten und der eingespielten Gelder. Die rund 1000 bis 1500 Euro teuren Geräte stammen oft aus Polen, viele sind veraltet. Sogar Walzengeräte wurden reaktiviert.

Da ein durchschnittlicher Automat rund 100.000 Euro im Jahr einspielt, ist der Einkaufspreis mitunter nach ein paar Stunden, spätestens nach einigen Tagen bereits wieder hereingespielt. Als es vor Jahren bei einem der Zampanos, der mittlerweile verstorben ist, eine Hausdurchsuchung gab, wurden zwölf Millionen Euro Bargeld sichergestellt. "Das war so viel, dass es keine Bank nehmen wollte und wir das ins Amt mitnehmen mussten und alle dort geschlafen haben um darauf aufzupassen", erinnert sich ein Finanzbeamter.