Rettungskräfte vor Ort

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Chronik Österreich
06/10/2014

Höhlendrama: Salzburger helfen bei Rettung

Die zwei Männer beteiligten sich am Aufbau des Versorgungs- und Kommunikationssystems.

An der Versorgung und Bergung des schwerverletzten Höhlenforschers in der Riesending-Schachthöhle in Berchtesgaden (Bayern) beteiligen sich jetzt auch Salzburger Höhlenretter.

"Wir haben noch zwei Personen in der Höhle, der Rest ist auf Standby. 15 Höhlenretter sind vor Ort", sagte Einsatzleiter Norbert Rosenberger von der Salzburger Höhlenrettung am Dienstagvormittag.

Die zwei Männer im Alter von 35 und 45 Jahren seien mit einem Salzburger Höhlenrettungsarzt und in Begleitung einer Person aus dem deutschen Höhlenforscherteam in der Nacht von Sonntag auf Montag in die rund 1.000 Meter tiefe Höhle am Untersberg eingestiegen, "sie kommen womöglich heute wieder herauf", erklärte Rosenberger.

Versorgung und Kommunikation

Die Aufgabe der beiden bestens ausgebildeten, versierten Höhlenretter umfasse grundsätzlich die Versorgung und die Verkürzung von Kommunikationsstrecken im Höhlensystem. Sie helfen beim Legen einer Telefonleitung und dem Aufbau des Höhlenfunksystems "CaveLink". Die Höhlenretter dürften bereits bis ins Biwak drei oder auch darüber hinaus vorgedrungen sein, vermutete der Einsatzleiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie den 52-jährigen, verletzten Stuttgarter Höhlenforscher erreicht haben, "ist groß", meinte Rosenberger.

Ob der Salzburger Höhlenrettungsarzt derzeit noch im Berg sei, wisse er nicht, sagte Rosenberger. "Wie der Einsatz im Höhlensystem weitergegangen ist, weiß ich derzeit nicht. Wir heroben erhalten die Informationen erst Stunden verspätet." Der Höhlenrettungsdienst Salzburg wurde am Pfingstsonntag um 15.00 Uhr von der bayrischen Bergwacht zur Unterstützung der Rettungsaktion alarmiert.

Verwinkeltes Schachtsystem

Seither waren bisher insgesamt sechs Salzburger Höhlenretter in das verwinkelte Gang- und Schachtsystem im Inneren des Untersberges eingestiegen. "Vier sind bereits wieder heraußen", weiß Rosenberger. Ihre Körperkraft sei nach 36 Einsatzstunden verbraucht, sie müssten sich erholen. Die zwei Salzburger Retter, die sich derzeit noch in der Höhle befinden, bezeichnete der Einsatzleiter als "das Beste, was die Salzburger Höhlenrettung zu bieten hat". "Das sind sehr erfahrene Leute. Sie sind psychisch und physisch in der Lage, ein schwieriges Höhlensystem zu durchschreiten. Wir haben eine Handvoll Retter davon zur Verfügung, der Rest ist auf Pfingsturlaub."

Große Belastung für die Retter

Einen Höhlenrettungseinsatz beschrieb Rosenberger "als das Schwierigste, was man sich vorstellen kann". Die psychische und physische Belastung der Retter sei sehr groß, sie müssten extreme Tiefen bewältigen, sich teils 200 Meter tief abseilen. Engstellen seien nur mit extremen Verrenkungen des Körpers passierbar, dazu komme noch der Aufbau von technischen Hilfsmitteln für die Bergung des Opfers. "Sie müssen die gesamten Rettungsmittel zum Höhleneingang transportieren. Dann beginnt erst die eigentliche Arbeit. Sie bauen Seilbahnen und Flaschenzüge in den Schächten auf. Dafür gibt es einige technische Hilfsmittel wie Winschen zum Spannen von Seilen für den Vertikaltransport, die sind aber 20 Kilogramm schwer."

Abgesehen von der eigentlichen Bergung des Opfers gestalte sich oft auch der Zustieg zu Höhlen schwierig und dauere Stunden, wenn wegen des Wetters der Hubschrauber nicht fliegen könne. Neben einer ausgezeichneten körperlichen Kondition müsse der Retter auch einen guten Orientierungssinn aufweisen. "Die Ausbildung zum Höhlenretter ist sehr schwierig", sagte Rosenberger.

Rettung wird Tage dauern

Die Retter müssen Monsterschächte, enge Röhren und Seen überwinden, um an die Unglücksstelle in über 1000 Meter Tiefe zu gelangen. Es ist ein schwieriger Abstieg, den am Montag auch der Notarzt Wolfgang Farkas aus dem Pinzgau in Angriff nahm. „Er wird der erste Arzt sein, der zu dem Verletzten vorstößt“, berichtete Helmut Obermair vom Salzburger Höhlenrettungsdienst, der hinter der Grenze in Bayern an einem gigantischen Rettungseinsatz in Deutschlands tiefster und längster Höhle beteiligt ist, zunächst. Doch der Arzt sollte es nicht schaffen, zu dem Verletzten vorzudringen. Sanitäter waren jedoch vor Ort.

In der Nacht auf Sonntag wurde der Höhlenforscher Johann W. in der Riesendingschachthöhle auf dem Untersberg im Berchtesgadener Land bei einem Steinschlag schwer am Kopf verletzt. Der 52-jährige Stuttgarter konnte nicht mehr aufsteigen. Ein 38-jähriger Kamerad blieb beim Verletzten zurück, während zwei weitere Forscher den Rückweg an die Oberfläche antraten, um Alarm zu schlagen. Zwölf Stunden dauerte der Aufstieg. Seit Sonntagnachmittag werden Retter in den Bereich des Einstiegs der Höhle geflogen. Ihr Gangsystem ist 19,2 Kilometer lang und 1148 Meter tief.

Nicht transportfähig

Informationen dringen aufgrund des zu überwindenden Höhenunterschieds nur zeitverzögert aus der Tiefe des Berges. „Er ist ansprechbar, aber es geht ihm nicht gut“, hieß es am Montagnachmittag über den Zustand von Johann W. bei der Bergwacht. Als Hauptproblem zeichnete sich ab, dass der Verletzte nur liegend transportiert werden kann. Dies scheint in der Enge der Schächte aber kaum möglich. Einige sind so schmal, dass gerade einmal eine schmale Person durchschlüpfen kann. Helfer aus der Schweiz wurden angefordert, die auf die Rettung aus Schächten spezialisiert sind – unter ihnen auch ein Arzt.

„Der Verletzte muss in alle Richtungen transportfähig sein, damit er geborgen werden kann. Die Rettung wird Tage dauern“, erklärte Norbert Rosenberger, Einsatzleiter der 15 Salzburger Höhlenretter vor Ort. Nur Profis sind in der Lage, in jene Tiefen vorzudringen, in denen der Unglücksort liegt. In den Schächten können Wasser und Steinschlag zur tödlichen Gefahr werden. Ein Expertenteam aus der Schweiz war ebenfalls zu dem Verunglückten unterwegs.

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