Chronik | Österreich
28.02.2018

Höhepunkt der Kältewelle: "Lage angespannt, aber unter Kontrolle"

Derzeit gibt es genug freie Betten für Obdachlose. Wien steht die frostigste Nacht der Kälteperiode bevor.

Die kälteste Nacht des Winters steht in Wien bevor: In der Nacht auf Donnerstag werden Temperaturen von bis zu minus 15 Grad in den Außenbezirken erwartet, berichtet UBIMET-Meteorologe Florian Pfurtscheller. Und das just zum meteorologischen Frühlingsbeginn. Auch heute, Mittwoch, kamen die Temperaturen nicht viel über minus neun Grad hinaus.

Für Obdachlose kann bei diesen Temperaturen eine Notschlafstelle lebensrettend sein. "Die Lage ist angespannt, aber unter Kontrolle", sagt Martin Gantner, Sprecher der Caritas Wien.

1275 Schlafplätze für Obdachlose stehen in der Bundeshauptstadt bereit, zuletzt hatte der Fonds Soziales Wien (FSW) diese um 45 aufgestockt. Die Auslastung lag in der Nacht auf Mittwoch bei 97 Prozent, heißt es beim FSW. "Wir haben noch Plätze und auch Reserven. Es wird jeder einen warmen Schlafplatz finden", sagt Sprecherin Iraides Franz.

In Salzburg ist es bereits eng in den Unterkünften, da hat die Caritas Notbetten im ausgelasteten Haus Franziskus aufgestellt. Seit Sonntag wurden zudem von einer Initiative Plätze für bis zu 15 Personen in den Räumen der katholischen Hochschulgemeinde geschaffen.

In Steiermark hat die Caritas diesen Winter erstmals von 19 bis 24 Uhr ein Kältetelefon (0676/ 88015111) im Einsatz, ebenso in Kärnten von 20 bis sechs Uhr (0676/ 8985279020). Vor wenigen Tagen wurde auch in Tirol eine Kälte-Hotline installiert (0512/5360-1272); in Innsbruck wurde des Weiteren eine zusätzliche Teestube eröffnet.

Das Engagement der Zivilgesellschaft ist enorm: 843 Freiwillige engagieren sich allein in Wien bei der Caritas-Winternothilfe, darunter beim Kältebus, in den Wärmestuben aber auch am Wiener Kältetelefon (01/ 4804553). Dieses läutete am Dienstag 422 Mal – ein Rekord. "Das ist extrem hoch, in der Regel sind um die 70", erklärt Gantner. Bis Mittwochmittag gab es 117 Anrufe. Die Gruft gibt derzeit rund 600 warme Mahlzeiten pro Tag aus. „In Ungarn sind diesen Winter 149 Menschen erfroren. Es ist eine tolle Leistung, dass das in Österreich nicht passiert“, sagt Gantner. Spenden werden dennoch benötigt. Was genau, gibt die Caritas auf ihrer Facebook-Seite „Wir helfen“ bekannt.

Bahnhöfe bleiben zu

Bahnhöfe für Obdachlose zu öffnen, ist, solange es freie Betten in Notschlafstellen gibt, nicht notwendig. Auch in Wien nicht. "Wir haben aber unser Personal verstärkt. Wenn sich die Lage ändert, können wir rasch reagieren. Wenn vereinzelt Personen in den Bahnhöfen sind, werden wir sie nicht rausschmeißen", sagt ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger. Laut Gantner werden im Notquartier Breitenfurter Straße stets sechs Betten für Obdachlose frei gehalten, die Streetworker beim Hauptbahnhof treffen. Das Team wurde auch aufgestockt.

Etwas anders ist die Lage bei den Wiener Linien. Aus Sicherheitsgründen sei es nicht möglich, Menschen auf Stiegenaufgängen, bei Ausgängen oder Engstellen sitzen zu lassen. "Wir müssen schauen, dass die Fluchtwege frei bleiben", erklärt Sprecher Daniel Amann. Die Mitarbeiter seien aber mit der Caritas in Kontakt. Zudem seien Stationen und Passagen ebenfalls kalt und zum Rasten daher nicht geeignet.

Kältewelle vorbei

Am Donnerstag sollte der Höhepunkt der Kältewelle erreicht sein. Auf den Bergen sowie in den Südföhn-Regionen von Vorarlberg bis Oberösterreich kommt es laut UBIMET-Chefmeteorologen Manfred Spatzierer bereits ab heute zu einer deutlichen Frostabschwächung mit zarten Plusgraden. Im östlichen Flachland klettern die Temperaturen am Samstag auf bis zu null Grad, am Sonntag sollen in Wien gar bis zu plus fünf Grad möglich sein.

Verantwortlich für das Ende der Kältewelle ist ein Tief , das von Spanien in Richtung Irland zieht. Allerdings befindet e sich so weit im Westen, dass Österreich von Starkregen und Schneefall verschont bleiben wird. Mit Beginn der nächsten Woche normalisiert sich das Wetter. Höchstwerte von fünf bis 15 Grad sind für Anfang März normal.