Chronik | Österreich
07.07.2017

Hobby-Forscher sind Ursauriern auf der Spur

20 Freiwillige helfen bei wissenschaftlichen Ausgrabungen in Kötschach Mauthen

Was haben Colorado, Thüringen, New Mexiko und Kärnten gemeinsam? Diese Gebiete zählten im Perm-Zeitalter am Großkontinent Pangäa zum zusammenhängenden Wariskischen Gebirge. Und dort wurden Saurier-Fährten gefunden – nicht ein paar Dutzend Millionen Jahre alte Dinosaurier-Spuren, sondern jene von Ursauriern. Bei den aktuellen Ausgrabungen in Kärnten werden die Uhren um 280 Millionen Jahre zurückgedreht. Den Tieren erfolgreich auf der Fährte sind derzeit Studenten, Asylwerber, Arbeiter und Pensionisten – allesamt Hobby-Paläontologen (Wissenschaftler für Lebewesen vergangener Erdzeitalter, Anm.) die einen Experten bei den Ausgrabungen unterstützen.

Stetes Hämmern ist aktuell am Laaser Berg bei Kötschach Mauthen in den Karnischen Alpen auf 1240 Metern Seehöhe zu hören. Menschen kauern über Tonstein – mit Schaufeln, Stemmeisen und Bürsten ausgerüstet – und tragen Steinschicht für Steinschicht ab. Zwischendurch die Frage: "Sebastian, ist das was?" Alle schauen auf. "Leider nicht. Weitermachen!", lautet die Antwort von Sebastian Voigt, Geologe und Paläontologe. Aber es gibt sie doch, die Erfolgserlebnisse. Was für Laien ein Kratzer, eine Unebenheit ist, hat historische Bedeutung. "Spuren von Ursauriern wurden in Österreich sonst nirgends entdeckt", sagt Voigt.

Der Deutsche leitet das Urweltmuseum Geoskop bei Frankfurt und hat weltweit bereits 40.000 Saurier-Spuren beurteilt. Er fand 2013 auf Tonplatten am Laaser Berg den Abdruck eines Dromopus, den dieser vor 280 Millionen Jahren im Sand für die Nachwelt hinterlassen hatte. Inzwischen hat der Geopark Karnische Alpen von den Forstbetrieben die Erlaubnis erhalten, hier wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen.

Kost und Logis

Fährten vom Batrachichnus, Amphisauropus, Dromopus und Tambachichnium (bisher gab es weltweit nur einen Fund in Santa Fe) wurden in den vergangenen Tagen in den Karnischen Alpen aufgespürt. Geopark-Leiterin Gerlinde Ortner hatte im Frühling Freiwillige für die aktuellen Ausgrabungen gesucht und 20 ausgewählt. Geboten werden Nächtigung plus Halbpension plus eine nicht in Geld aufzuwiegende Erfahrung – beispielsweise für Studenten aus Wien: Ricarda Wohlschlägl erlebt ihre erste Ausgrabung: "Und dann habe ich gleich mit Millionen Jahre alten Saurierspuren zu tun." "Es hat einen Reiz, hier das Klima, die Fauna und Flora zu rekonstruieren", betont Julius Lindenbauer. "Bei keiner anderen Ausgrabung ist die Erfolgsquote so hoch", freut sich Marie Theres Herret.

Das Gelände ist aus Kostengründen weder abgesperrt, noch bewacht. "Es werden Raubgräber auftauchen. Unser Ziel ist es, zuvor die besten Flächen zu bergen", mutmaßt Voigt. Die Exponate werden 2018 im Geopark Dellach ausgestellt.