Eines der berühmten Fromiller-Ölgemälde

© /Repro Landesmuseum Kärnten

Kärnten
03/06/2016

HETA-Bilder müssen retour ins Schloss

Kulturgut hätte 1995 nicht veräußert werden werden dürfen. Aber wer soll die Gemälde jetzt kaufen?

von Thomas Martinz

Ein skurriler Streit um ein Kärntner Kulturgut hat nun ein vorläufiges Ende gefunden: Laut einem aktuellen Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes müssen acht wertvolle Tafelbilder, die eine Schlossherrin im Jahr 1995 verkauft hat, wieder ins ursprüngliche Objekt rückgeführt werden, weil die Liegenschaft insgesamt unter Denkmalschutz stand und steht. Die Gemälde gingen jedoch inzwischen in den Besitz der Hypo und in der Folge der HETA über, somit sind die Folgen des Urteils nicht absehbar.

Drei Millionen Schilling

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 1995 verkaufte die Besitzerin des Schlosses Trabuschgen in Obervellach (Bezirk Spittal an der Drau), Christa Strach, acht Ölgemälde des Kärntner Barockmalers Josef Ferdinand Fromiller nach Stichen von Rubens Medici-Zyklus an einen Antiquitätenhändler. Mehr als drei Millionen Schilling (218.000 Euro) sollen einst den Besitzer gewechselt haben. Als das Bundesdenkmalamt im Jahr 1996 von der Veräußerung Wind bekam, wandte es sich an die zuständige Bezirkshauptmannschaft Spittal an der Drau – mit dem Hinweis, dass das gesamte Objekt seit 1939 unter Denkmalschutz stehe, also auch die Tafelbilder, die rückgeführt werden müssten. Die BH erachtete den Verkauf jedoch als rechtmäßig, weil der Medici-Zyklus nicht für sich allein gestellt unter Denkmalschutz gestanden habe.

Als das Bundesdenkmalamt in die Berufung ging, bekam es Recht: Das Landesverwaltungsgericht war der Meinung, dass die Bilder sehr wohl von der "Unterschutzstellung" umfasst seien.

Letztendlich ging die Causa bis zum Verwaltungsgerichtshof, wo die Revisionswerberin nun nach 20 Jahren endgültig abblitzte. Auch wenn inzwischen ein russischer Geschäftsmann namens Firdavs Abdullaev das Schloss gekauft hat, muss die ehemalige Eigentümerin "auf ihre Kosten den vorausgegangenen Zustand des Denkmals, soweit dies möglich ist, wiederherstellen", heißt es im Urteilsspruch.

"Sie hat dafür zu sorgen, dass die Bilder wieder im Schloss hängen. Wie das geschehen soll, ist nicht definiert", sagt Hans Peter Lehofer vom Verwaltungsgerichtshof. Zusätzliche Brisanz erfährt die Causa durch die zwischenzeitlichen Eigentümer der Gemälde: Im Jahr hat die Hypo-Bank die Werke um 330.000 Euro er standen. Sie wurden dem Landesmuseum zur Verfügung gestellt und lagern heute in einem Depot des "Rudolfinum". Allerdings gehören sie nun nicht mehr der Hypo, sondern der Abbaugesellschaft HETA.

HETA muss verkaufen

"Unsere Rechtsabteilung muss die Konsequenzen des aktuellen Urteils erst prüfen. Die HETA ist aber derzeit verpflichtet, alle Assets rasch und bestmöglich zu verwerten", lässt HETA-Sprecher Alfred Autischer wissen. Verleihen wie bisher wird die HETA das Kulturgut nicht mehr: Die ehemalige Burgherrin – sie war für den KURIER nicht erreichbar – müsste die Kunstwerke folglich rückkaufen.

Andere Player scheiden aus: Der aktuelle Schlossbesitzer wird sich hüten, Geld in die Hand zu nehmen, weil er dazu nicht verpflichtet ist. Kunstsammler ebenfalls, weil sie die Bilder, die Teil des Schlosses sind, nie in ihren Besitz bringen könnten.

Bleiben das Landesmuseum und das Land Kärnten. "Uns fehlen die finanziellen Möglichkeiten", betont Thomas Jerger, Direktor des Landesmuseums. Dem Land ebenfalls. Aus der Kulturabteilung ist zu hören, dass ein Ankauf der Gemälde "wenig attraktiv" sei.

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