Chronik | Österreich
18.05.2017

Hedgefonds-Manager soll Banken um 476 Millionen Euro geschädigt haben

Salzburger steht wegen Anlagebetruges vor Gericht, er bestreitet die Vorwürfe. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Er drehte das ganz große Rad. Der frühere Sparkassen-Mitarbeiter Michael B., der mit dem Hedgefonds Manhattan Investment Fund (MIF) 259 Banken, Fondsfirmen und Trusts um rund 400 Millionen Dollar - Anfang 2000 rund 476 Millionen Euro - gebracht haben soll, stand am Mittwoch in Wien vor Gericht. Der Vorwurf: Untreue und gewerbsmäßiger Betrug. B. drohen bis zu zehn Jahre Haft. Er bestreitet die Vorwürfe.

"Mein Mandant hat niemals Berichte gefälscht oder unwahre Angaben über die Entwicklung seines Finanzprodukts gemacht", sagt sein Verteidiger Jürgen Stephan Mertens zum KURIER.

Kurios ist die Causa auf jeden Fall: Der mutmaßliche Anlagebetrug, den Michael B. von New York aus begangen haben soll, liegt mehr als 17 Jahre zurück. Mitte der 90er-Jahre gründete B., damals 24 Jahre jung, einen Hedgefonds auf den Britischen Jungferninseln und managte von New York aus Vermögen, das ihm Banken zwecks Vermehrung zur Verfügung gestellt hatten. Zu den Kunden zählten auch die Bank Austria, Erste Bank und Bawag. Fünf Jahre später war Schluss mit lustig.

Bs Fonds und seine Managementfirma MCM gingen 2000/2001 pleite, die US-Börsenaufsicht SEC beschuldigte ihn des schweren Betruges. So soll er fingierte Kontoauszüge mit überhöhten Vermögenswerten erstellt haben. Um einer lebenslangen Haftstrafe in den USA zu entgehen, machte Michael B. mit der US-Justiz einen Deal. Er räumte den Anlagebetrug ein und sollte 20 Millionen Dollar Provisionen zurückzahlen. Ein Jahr später sollte ein US-Gericht Michael B. zu bis zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilen. Doch dazu kam es laut Michael B. nicht mehr - denn da war der "Investmentbanker" längst über alle Berge. Zuvor hatte er mit Hilfe eines neuen Anwalts noch sein angeblich falsches Geständnis zurückgezogen. Dieser Schritt wurde aber von einem US-Gericht nicht anerkannt.

Vorwurf Untätigkeit

Anfang Juli 2007 wurde der untergetauchte B. in Österreich festgenommen und wanderte für 21 Monate in U-Haft. Seit damals wurde ermittelt. Sein Verteidiger wirft der Staatsanwaltschaft Wien aber "Untätigkeit über weite Strecken" vor.

"Drei Gutachter sind wegen Befangenheit enthoben worden", sagt Mertens. Aber auch B. hat alle rechtlichen Einsprüche ausgeschöpft, um das Verfahren zu bekämpfen. Mitte April 2017 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Österreich wegen der überlangen Verfahrensdauer im Fall Michael B. sogar verurteilt.

Außerdem wirft Mertens der Staatsanwaltschaft vor, dass wichtige Einvernahmeprotokolle aus dem US-Verfahren fehlen. Laut dem Verteidiger sei nicht einmal versucht worden, "wesentliche Unterlagen in den USA zu besorgen". Auch sei es ihr nicht gelungen, wesentliche Zeugen zu befragen.

Alles ganz anders

Indes bestreitet die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe. Der US-Strafakt wurde sehr wohl beschafft, aber es mussten in 250 Fällen Unterlagen im Rechtshilfeweg besorgt werden. Denn: Die geschädigten Banken und Fonds haben großteils ihren Sitz im Ausland. Zur Crux mit den Sachverständigen heißt es: Da derart viele Banken geschädigt wurden, war die Suche nach einem Gutachter, der keine Banken als Kunden hat, nahezu fast unmöglich.