Chronik | Österreich
18.02.2015

HCB: Behörden ignorierten die Warnungen

Monatelang herrschte Stillstand. Kontaminiertes Fleisch könnte in den Handel gelangt sein

Nicht reagiert, spät reagiert oder das Ausmaß der Katastrophe unterschätzt – so kann man die Kritik an den Landesbehörden zusammenfassen, die am Mittwoch im HCB-U-Ausschuss in Klagenfurt geäußert wurde. Der Umweltskandal um Hexachlorbenzol im Görtschitztal wird damit immer mehr zum Behördenskandal. Hannes Zechner, Geschäftsführer der Molkerei „Sonnenalm“, sagte am Mittwoch aus. Demnach hätten Landwirte bereits am 18. April 2014 im Rahmen einer Krisensitzung auf das Zementwerk als möglichen Verursacher der HCB-Emissionen aufmerksam gemacht. Anwesend waren Verantwortliche der Agrar- und Lebensmittelabteilung sowie der Landwirtschaftskammer.

„Man ging jedoch von einer HCB-Altlast im Boden aus. Diese Auskunft erhielten wir auch von der Österreichischen Agentur für Lebensmittelsicherheit, die sich für nicht zuständig erklärte“, sagt Zechner. Die Biobauern hätten vom Land die Installation einer Expertengruppe gefordert. „Es hieß, man hätte die erforderlichen 200.000 Euro nicht.“

Der Leiter der Veterinärabteilung, Holger Remer, ließ den U-Ausschuss wissen, die Auswertung der Proben habe keine Systematik erkennen lassen. Er habe am 2. April sein Wissen über HCB-Messungen an Agrarreferent Wolfgang Waldner (ÖVP/erklärte am 6. Mai 2014 seinen Rücktritt als Landesrat) gegeben. Andere Politiker seien nicht informiert worden.

Urlaub hat Priorität

Die Umweltabteilung gelangt ins Zentrum der Kritik. Am 17. November sei erstmals ein Mitarbeiter dieser Abteilung ins Tal gekommen und habe ihn über Blaukalk-Verbrennung im Zementwerk aufgeklärt, erklärte Zechner. „Dieser Beamte meinte, er würde nun auf Urlaub gehen und danach Abgasmessungen im Werk veranlassen.“ Im Oktober stand der Verursacher der HCB-Emissionen fest.
Über mangelnde Information beklagte sich ein weiterer Zeuge: Rudolf Krall von der bäuerlichen Vermarktungsgesellschaft „Kärntner Fleisch“ hat von HCB im Görtschitztal erst im November 2014 erfahren. „Daher kann ich nicht ausschließen, dass kontaminiertes Fleisch in den Handel gelangt ist. Es wurde nie beprobt“, betont Krall.

HCB in Salzburg

Beprobt wurde hingegen im Dezember 2013 Bio-Kalbfleisch von 54 Kälbern aus ganz Österreich in einem Salzburger Schlachthof. Dort stellte man Spuren von HCB fest, wie Krall nun bekannt gab. „0,078 Milligramm pro Kilogramm. Der Grenzwert liegt bei zwar 0,2mg/kg; der Kunde – die Firma Hipp – schreibt aber Werte von 0,003 mg/kg vor, somit platzte das Geschäft“, berichtet Krall. Es handelte sich um eine Mischprobe: 14 der 54 Kälber kamen aus Kärnten, zwei aus dem Görtschitztal. Krall: „Tierärzte haben die HCB-Spuren mit der Trockenheit des Bodens begründet.“