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Kinderschutz
07/18/2013

Hälfte aller Eltern setzt noch immer auf „g’sunde Watsch’n“

Bilanz zum 100. Geburtstag des Kinderschutzpioniers Hans Czermak: Trotz Gesetz gibt es noch immer zu viel Gewalt in der Erziehung.

von Ingrid Teufl

Rund 600.000 Kinder wachsen mit alltäglichen Gewalterfahrungen (körperlich und psychisch) auf. 50 Prozent aller Eltern bekennen sich noch immer zur „g’sunden Watsch’n“. Das zeigen Daten der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. Liga-Präsident Prim. Klaus Vavrik: „Auch wenn die Gewalthäufigkeit ganz langsam sinkt: Laut OECD-Bericht liegen wir europaweit an der Spitze.“

Wie hätte Kinderschutz-Pionier Hans Czermak, dessen Geburtstag sich heute, Donnerstag, zum 100. Mal jährt, diese Entwicklung kommentiert? Sein Enkel Georg Streit, ebenfalls in der Liga engagiert: „Er hätte sicher genau hinschauen wollen, warum das so ist. Das war immer sein Credo.“ Bis zu seinem Tod im Jahr 1989 kämpfte Kinderarzt Czermak für das „Recht jedes Kindes auf eine glückliche Kindheit.“

Stille Akzeptanz

Ebenfalls 1989 trat in Österreich – als einem der ersten Länder weltweit – das Gewaltverbotsgesetz gegen Kinder in Kraft. Tief verankert im Bewusstsein ist es bis heute nicht, beklagt Vavrik. „Nur 30 Prozent der Eltern wissen davon. Seit Czermak gibt es keine Fortschritte.“ Die vorliegenden Zahlen seien „Ausdruck für die stille Akzeptanz der Politik des Status Quo.“ Er fordert eine „gebündelte Vertretung. Die Agenden für Kinder sind zu sehr aufgesplittert.“

Ebenso ist mehr Bewusstseinsbildung nötig. „Die meisten wollen gute Eltern sein. Viele schaffen es aber nicht, weil sie überfordert sind. Man muss niederschwellig Hilfe und Information anbieten.“ International bewähre sich etwa das sogenannte „social parenting“ – also direkte Unterstützung durch gut ausgebildete Betreuer im direkten Umfeld. „Die Eltern sollen wissen, wo sie sich hinwenden können, wenn sie Probleme spüren.“ Der wichtigste Kinderschutz sei für ihn Prävention – „die Stärkung der Eltern.“

Die gesamte Gesellschaft sei gefordert, ergänzt Czermak-Enkel Streit. „Die Vorbildwirkung setzt sich fort. Geschlagene Kinder schlagen häufig selbst weiter – in der Schule oder später als Erwachsene.“ Eine gewalttätige Erziehung beschränkt sich längst nicht auf körperliche Züchtigung. Vavrik: „Auch Bedrohung durch fehlende Sicherheit erzeugen in einem kleinen Kind tiefe Angst und enormen Stress. Dieser Stress hinterlässt Spuren. Das Gehirn strukturiert sich aufgrund seiner gemachten Erfahrungen.“ Diese Narben können die Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigen. „Ein Jugendlicher, der mit 15 Jahren in keine sinnvolle Berufsausbildung findet, braucht im Lauf seines Lebens in etwa 2,2 Millionen Euro Unterstützung durch die Gesellschaft.“

Hans Czermak – lebenslanger Kämpfer für Kindergesundheit

Die Auslandserfahrungen nach 1945 waren für Hans Czermak (18. 7. 1913– 12. 12. 1989) am prägendsten. Nach seinem Medizinstudium in Innsbruck und Wien studierte der junge Kinderarzt in Paris, London und Stockholm Sozialpädiatrie. Sein Anliegen: Jedem Kind soll von der ersten Lebensminute an seinen Platz in der Gesellschaft haben, um ihm damit eine uneingeschränkte, psychisch-physische Entwicklung zu ermöglichen.

Viele heutige Errungenschaften gehen auf Czermak zurück. Ab den 1950er-Jahren leitete er die Neugeborenenstationen im Wiener AKH und später das Preyer’sche Kinderspital, er kämpfte gegen die damals hohe Säuglingssterblichkeit. Ebenso trägt die Einführung des Mutter-Kind-Passes 1974 seine Handschrift. Die gewaltfreie Kindererziehung war ihm zeitlebens ein großes Anliegen. Er regte die 1989 vollzogene Änderung des Kindschaftsrechts an.

Mehr Informationen finden Sie unter:
www.kinderjugendgesundheit.at
www.kinderliga.at

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