Chronik | Österreich
04.09.2017

Zeitzeugin: "Habe Leben geführt, das ich nicht bereue"

Die steirische Widerstandskämpferin und Zeitzeugin Maria Cäsar starb kurz vor ihrem 97. Geburtstag.

Maria Cäsar diskutierte gern. Sehr gern. Mit Politikern. Mit Jugendlichen in der Schule. Mit ihnen ganz besonders gern und intensiv: Wie oft die kraftvolle, kleine Frau in steirischen Schulen als Zeitzeugin wirkte, lässt sich gar nicht mehr nachzählen. Es werden Tausende Male über all die Jahre und Jahrzehnte gewesen sein.

Maria Cäsar - Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus, KPÖ-Aktivistin und Trägerin nahezu aller Auszeichnungen, die Republik, Land Steiermark und Stadt Graz zu vergeben haben: Sie starb am Samstag in Graz, knapp vor ihrem 97. Geburtstag, den sie am 13. September gefeiert hätte. "Wir sind stolz auf sie", würdigten die KPÖ-Chefinnen von Stadt und Land, Elke Kahr und Claudia Klimt-Weithaler, Wirken und Leben Cäsars am Sonntag. "Maria Cäsar hat sich seit ihrer Jugend für Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt und dabei großen Mut bewiesen. Sie ist ein Vorbild für alle Kommunisten."

In Haft der Gestapo

Der KPÖ blieb Cäsar ihr Leben lang treu, dennoch war sie über alle Parteigrenzen hinweg eine geehrte, viel geachtete Dame. Das Engagement für die KPÖ war es aber, das sie in die Fänge der Nazis brachte. 1939 wurde die damals 19-Jährige von der Gestapo verhaftet und 14 Monate lang in Untersuchungshaft im Landesgericht Graz gehalten. Cäsar war eine jener Frauen, die im Widerstand aktiv waren. Ihr wurde Hochverrat vorgeworfen: "Der Tatbestand war schon dadurch erfüllt, dass wir gesagt haben, wir sind nicht die Ostmark, wir sind Österreich", beschrieb Cäsar vor einigen Jahren in einem Buch.

Letztlich doch entlassen, versteckte sie sich jedoch nicht, sondern setzte ihren Widerstand fort. Sie nahm Kontakt auf zu Partisanen in Slowenien, versorgte sie mit Kleidung und Medikamenten. Sie flüchtete zu slowenischen Verwandten, als die Nazis erneut zu einer Verhaftungswelle in Graz ansetzten: "Die Angst war damals unser ständiger Begleiter." Cäsar entging der Festnahme und dem KZ, weil einer ihrer 1944 verhafteten Mitstreiter standhaft blieb und den NS-Schergen ihren Namen nicht verriet. "Mein Leben habe ich diesem Menschen zu verdanken", würdigte ihn Cäsar einmal in einem Interview.

Nach dem Krieg kehrte sie in die Steiermark zurück und setzte die Arbeit für die KPÖ fort, in der sie bis zum Mitglied des Zentralkomitees avancierte. Nach ihrer Pensionierung wurde sie Vorsitzende des KZ-Verbandes. Unermüdlich war sie als Zeitzeugin an Schulen und bei Vorträgen zugange, um von der Vergangenheit zu berichten und vor Rechtsextremismus zu warnen. "Ich habe ein Leben geführt, das ich nicht bereue", betonte sie einem Gespräch für ein Magazin.

Für ihren Einsatz bekam Cäsar zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem ehrte sie der Bund mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik, das Land mit dem Menschenrechtspreis, die Stadt Graz ernannte sie zur Bürgerin.