Chronik | Österreich
09.03.2018

Grüne: Niemand will Parteichef werden

Bei den Grünen bleibt kein Stein auf dem anderen/Büros werden bereits geräumt.

Kein Geld, keine Mitarbeiter, kein Büro und keine Kandidaten für die vakanten Führungspositionen – so lässt sich die aktuelle Situation der Kärntner Grünen zusammenfassen. Bei den anderen fünf Parteien, die am Sonntag ebenfalls den Einzug in den Landtag verpasst haben, sind keine personellen Konsequenzen angedacht.

Schachteln türmen sich am Donnerstag vor den Büros der Grünen in den Klagenfurter Sterneckstraße sowie im Klub im Landhaushof. Die Öko-Partei zieht aus. Ob neue Räumlichkeiten gefunden werden, ist unklar. Ebenso, wie viele Mitarbeiter gekündigt werden müssen.

Ursprünglich war von 20 die Rede, möglicherweise kommt aber eine Handvoll in Regierungsbüros unter. Die Partei, für die am Sonntag nur noch 3,1 Prozent der Kärntner votierten, verlor nicht nur zwei Drittel ihrer Wähler, sondern weiters 1,2 Millionen Euro Parteien- und 280.000 Euro Klubförderung pro Jahr.

"Wir sind künftig auf ehrenamtliche Funktionäre und auf Spenden angewiesen", sagt Michael Johann. Er wäre als sein Stellvertreter logischer Nachfolger von Rolf Holub, der als Landessprecher, Parteichef und Spitzenkandidat zurückgetreten ist. "Die Partei soll sich erneuern und verjüngen. Ich werde dabei keine führende Rolle spielen", erklärt der 54-jährige Johann allerdings.

"Neuaufbau"

Der Klagenfurter Stadtrat Frank Frey war bereits Landessprecher sowie Landesgeschäftsführer, winkt jedoch ebenfalls ab. "Man muss einen anderen finden. Einen Jungen, der die Partei aufbaut", meint der 60-Jährige. Die Villacherin Magdalena Vorauer, 26 Jahre alt, wird parteiintern hoch gehandelt, hat aber auch keine Ambitionen: "Ich bin für diese Aufgabe nicht bereit. Es erfordert einen langwierigen Neuaufbau der Partei, da muss jemand mit politischer Erfahrung gefunden werden."

Zwei Monate Zeit

Bliebe Matthias Köchl, Gemeinderat von Krumpendorf und ehemaliger Nationalratsabgeordneter. "Zuletzt haben die Grünen 90 Prozent ihrer Energie für die interne Selbstzerfleischung benötigt. Wenn eine Statutenänderung erfolgt, wir die Materialschlacht beenden und zu einer Mitmach-Partei werden, könnte ich meinen Teil dazu beitragen", lässt der 40-Jährige zumindest geringfügiges Interesse anklingen. Zwei Monate bleiben Zeit, im Mai soll die Landesversammlung tagen.

Bei den Grün-Ablegern Verantwortung Erde (1,9 Prozent bei der Landtagswahl) und F.A.I.R. (0,2 Prozent) bleibt die jeweilige Führung unangetastet. "Erde", in Villach und Ossiach im Gemeinderat, will sich aufgrund des Erfolgs breiter aufstellen. "Bei der Gemeinderatswahl 2021 werden wir auch in Klagenfurt antreten", erklärt Sprecher Gerald Dobernig. Diese Wahl nennt auch F.A.I.R-Chefin Marion Mitsche als nächstes Ziel, in zahlreichen Gemeinden sind ja Grün-Mandatare bereits zu F.A.I.R. gewechselt.

Bei den Neos bleibt Hermann Bärntatz Landessprecher, das hat der Landesvorstand beschlossen. "Jetzt erst recht", laute das Motto nach der Wahl, das die Pinken nur bei 2,1 Prozent auswies. Bärntatz möchte auch die Kooperation mit der Plattform Südkärnten fortführen.

Kein Ende des BZÖ

Bettina Pirker, Spitzenkandidatin der KPÖ (0,3 Prozent), wurde von den Mitgliedern ebenfalls das Vertrauen ausgesprochen. Selbst das BZÖ (0,4 Prozent) wird es weiter geben. "Nach der Wahl ist vor der Wahl", ortet Parteichef Helmut Nikel eine "Aufbruchsstimmung".