„Es kommen Tausende nur wegen uns herauf“, ist „Mankeiwirt“ Herbert Haslinger überzeugt.

© Walter Schweinöster

Chronik Österreich
09/29/2019

Großglockner: Ein letzter Sommer mit Murmeltieren

Der "Mankeiwirt", eine Institution an der Großglockner Hochalpenstraße steht mit Ende 2020 zum Verkauf.

von Matthias Nagl

Der Abschied wird kein leichter sein. „MankeiwirtHerbert Haslinger will seinen Gasthof Fuscherlacke an der Großglockner Hochalpenstraße verkaufen und nach der kommenden Saison nach 30 Sommern am Berg dauerhaft ins Tal zurückkehren. „Jedes Jahr im Herbst bleibe ich beim Hinunterfahren bei der ersten Kehre noch einmal stehen, schaue zurück und bedanke mich, dass der Sommer gut verlaufen ist“, erzählt Haslinger.

So wird es wohl auch im Herbst in einem Jahr sein. Nur, dass es dann ein Abschied für immer sein wird. In den 30 Sommern auf 2.262 Metern Seehöhe wurde Haslinger als „Mankeiwirt“ zum Kult. Der Spitzname ist schnell erklärt: „Mankei“ sagt man in Salzburg zu Murmeltieren. Hunderttausende, wenn nicht Millionen Besucher aus aller Welt lernten ihn als Murmeltier-Flüsterer, als Zähmer der eigentlich sehr scheuen Tiere kennen. Dabei geht Haslingers Kultfigur auf einen Zufall zurück.

Kurz nach Kauf des Gasthofs entdeckte Haslinger bei einem seiner Rundgänge ums Haus ein kleines, von seiner Mutter verstoßenes Murmeltier, nahm es auf, zog es groß und gab ihm den Namen „Morfi“. Schnell sprach sich das ungewöhnliche Haustier herum, und erste Gäste kamen nur wegen „Morfi“.

Sehnsucht nach Sommer

Inzwischen sind es weit mehr, die nur wegen der aktuell vier Murmeltiere die Hochalpenstraße besuchen. „Es kommen Tausende nur wegen uns“, ist Haslinger überzeugt. Mittlerweile werden verletzte Murmeltiere aus der Umgebung zur Pflege zu ihm gebracht. Im Sommer brachte ein Bergführer ein Murmeltier mit Lungenentzündung, inzwischen erfreut sich Murmeltier „Ferdi“ bester Gesundheit.

Trotz der ungebrochenen Beliebtheit steht Haslingers Entschluss zum Verkauf fest. „Ich gehe ungern weg, aber ich will selber noch einmal einen Sommer erleben. Wenn es unten Frühling wird, ziehen wir herauf in den tiefsten Winter“, erklärte der 61-Jährige. „Man weiß nie, was kommt. Ich will auch noch einmal Radfahren, Schwimmen und im Garten grillen.“

Bisher kein Interessent

1,5 Millionen Euro will Haslinger für den Gasthof, den Grund und das Wasserrecht an der Fuscher Lacke, einem kleinen See direkt am Gasthof. Leuten, die sagen, er sei gierig, höre er nicht zu, das seien Neider, meint der Wirt. „Ich bin überzeugt, dass irgendjemand kommt und es kaufen will. In dieser Lage mit Grund, so etwas kriegt man heute normalerweise nicht mehr“, sagt er.

„Wenn es jemand so machen will wie wir, wäre es schön.“

Herbert Haslinger | über die Zukunft des "Mankeiwirts"

Ob der Gastbetrieb weitergeführt wird, steht in den Sternen. „Es wird wohl jemand kaufen, der Geld hat wie Heu“, glaubt Haslinger. Sein Wunsch wäre ein anderer: „Wenn es jemand so machen will wie wir, wäre es schön.“ Er würde auch sein umfangreiches Wissen über Murmeltiere bereitwillig weitergeben. Ernsthafter Interessent habe sich bisher keiner gefunden.

Für die Murmeltiere sei jedenfalls gesorgt. „Es gibt so viele nette Wildparks, da mache ich mir keine Sorgen“, meint Haslinger.

Beliebtes Ausflugsziel

Die Großglockner Hochalpenstraße ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in den Zentralalpen. Rund 900.000 Besucher jährlich zählt die Betreibergesellschaft Grohag auf der Strecke, die Salzburg und Kärnten verbindet. Die Besucher kommen auch ganz ohne Murmeltierfaible hierher.

Abseits des Gasthofs Fuscherlacke lassen sich die Tiere an ruhigen Tagen aber auch in freier Wildbahn sehen.
Die Zusammenarbeit mit der Grohag sei hervorragend, sagt „MankeiwirtHerbert Haslinger. „Hier heroben gibt es einen totalen Zusammenhalt, das ist wunderschön“.  Im Frühjahr koche er jedes Jahr für die Schneeräumer der Grohag, weil er vor Saisonbeginn für Revisionsarbeiten schon in der Hütte ist.

Die Hochalpenstraße strebt den Status als Unesco-Weltkulturerbe an. Das Welterbekomitee hat zuletzt eine  Nachschärfung der Einreichung verlangt. Frühestens in zwei Jahren darf das Dossier wieder eingereicht werden.

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