Chronik | Österreich
12.01.2018

Graz: Leiche im Müll - vier Slowaken vor Gericht

Das Opfer wurde tot in einem Grazer Entsorgungsbetrieb gefunden. Verhandlung wegen Mordes gegen vier Slowaken in Wien.

Im vergangenen März ist in einem Grazer Müllentsorgungsbetrieb die Leiche eines Mordopfers entdeckt worden. Der 58-Jährige war obdachlos und - wie sich bei den Ermittlungen herausstellte - in einem Wiener Hotelzimmer von vier Bekannten getötet und danach in einem Müllcontainer entsorgt worden. In der kommenden Woche müssen sich die drei Männer und die Frau wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Mord in Wiener Hotelzimmmer

Die fünf Obdachlosen waren gemeinsam unterwegs, gingen betteln und mit dem Geld mieteten sie sich in einem Hotel in Rudolfsheim-Fünfhaus ein. In der Nacht auf 17. März 2017 gerieten die vier Slowaken allerdings mit ihrem Landsmann in dem Zimmer in Streit - auch Alkohol dürfte im Spiel gewesen sein - und brachten den Kumpanen um. Im Hotelzimmer versuchten sie, sämtliche Spuren zu vernichten. Das dortige Personal bekam von der Bluttat zunächst nichts mit. Nach der Tat brachte das Quartett den Toten in einen nahegelegenen Müllcontainer.

Leiche in Graz entdeckt

Am 22. März um 3.30 Uhr wurde der Tote in dem Müllentsorgungsbetrieb in Graz entdeckt. Die Leiche war durch die Behandlung im Müllwagen übel zugerichtet. Bei der Obduktion stellte die Gerichtsmedizin schwere Halsverletzungen fest, die dem Opfer noch zu Lebzeiten zugefügt worden waren. Die Ermittlungen ergaben, dass der Tote mit einer Abfalllieferung aus Wien gekommen war.

Der 58-jährige Slowake hatte sich bereits mehrere Jahre in der Bundeshauptstadt aufgehalten und war in unregelmäßigen Abständen in Schlafstellen und Betreuungseinrichtungen für Obdachlose vorstellig geworden. Auf dieses Umfeld konzentrierten sich die Ermittlungen, die Polizei stieß dabei auf den Zeugen, der angab, dass der Tote zuletzt häufig mit einem slowakischen Pärchen unterwegs gewesen war.

Ungereimtheiten

Der Mann und die Frau wurden dann auch von Ermittlern als Zeugen einvernommen und befragt, wo sie den 58-Jährigen zuletzt gesehen haben. Vom Hotel, in dem der Mann getötet worden war, erzählten sie nichts. Nach der Vernehmung ergaben sich Ungereimtheiten. Anhand von Spuren - unter anderem im Hotelzimmer - und einer Fülle von Indizien wurden schließlich europäische Haftbefehle ausgestellt.

Zielfahnder des Bundeskriminalamtes forschten die beiden in ihrer Heimat aus, sie wurden festgenommen. In weiterer Folge identifizierte die Polizei auch die beiden Mittäter, zwei weitere Slowaken. Die Männer und die Frau beschuldigten sich bei den Einvernahmen gegenseitig.

Der Prozess startet am Dienstag und ist für zwei Tage anberaumt. Den Vorsitz des Schwurgerichts übernimmt Richter Norbert Gerstberger.