Chronik | Österreich
25.04.2016

Graz: Fünfter Dschihadisten-Prozess gegen Brüderpaar am 2. Juni

Burschen wurden nach Tipp aus Deutschland in steirischer Flüchtlingsunterkunft verhaftet.

Zwei syrische Brüder, denen die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird, müssen sich am 2. Juni vor einem Schöffengericht in Graz verantworten. Das teilte das Straflandesgericht am Montag via Aussendung mit. Die Burschen im Alter von 16 und mittlerweile 19 Jahren waren im Dezember des Vorjahres in einer Flüchtlingsunterkunft in Lebring verhaftet worden.

Die jungen Männer aus Syrien sind laut Anklage Mitte 2015 über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Ungarn - zum Teil mit Schleppern - nach Österreich gekommen. Ein weiterer Bruder, ein Cousin und ein Großcousin waren ebenfalls mit ihnen aus Syrien nach Österreich geflüchtet. Den Tipp, dass es sich beim 16-jährigen Abdel Hakeem K. und beim 19-Jährigen Abdel Aziz K. um Kämpfer handelt, kam aus Deutschland, wo ein weiterer Bruder gerichtlich verfolgt wird.

Waffenausbildung in Syrien

Der ältere der beiden in der Steiermark verhafteten Brüder soll sich von August 2013 bis zumindest März 2015 in Syrien an der Ahrar al-Sham, einer der mächtigsten islamistischen Rebellengruppe im Land, beteiligt haben: Konkret soll er eine Waffenausbildung absolviert haben, die insbesondere den Umgang mit der Kalaschnikow und dem Maschinengewehr sowie taktische Ausbildung zum Inhalt hatte. In Folge soll er auch bei militärischen Operationen als Kämpfer gedient haben.

Sein jüngerer Bruder soll laut Anklage von April 2014 bis zumindest März 2015 in Syrien dem "Islamischen Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) sowie dem "Islamischen Staat" (IS) angehört haben. Auch er soll eine Schusswaffenausbildung erhalten und dann als "Schariapolizist" fungiert haben. Beide waren im Dezember geständig.

Sechster Prozess in Vorbereitung

Bei der Verhandlung wird es sich um den fünften Dschihadisten-Prozess in Graz handeln. Ein sechster gegen drei weitere Verdächtige ist derzeit in Vorbereitung, diese Anklageschrift sei aber noch nicht rechtskräftig.