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Tirol/Salzburg
03/16/2017

"Graue Wölfe": Ringen um Konzertabsagen

Vor Türkei-Referendum: Kritiker vermuten politische Kundgebungen. Veranstalter dementieren.

Es geht nicht um Politik, sondern nur um eine Kulturveranstaltung. Das haben die Veranstalter von zwei umstrittenen Konzerten in Tirol und Salzburg gegenüber dem KURIER bzw. der zuständigen Bezirkshauptmannschaft versichert. Der am Sonntag in der Wallerseehalle in Henndorf (Flachgau) geplante Auftritt von türkisch-nationalistischen Musikstars wird im Internet jedoch sogar als Veranstaltung des Salzburg-Ablegers der "Grauen Wölfe" präsentiert.

So nennen sich die Mitglieder der rechtsextremen türkischen Partei MHP. Sie setzt sich für ein "Ja" der von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğans AKP forcierten Verfassungsreform ein. Für den Extremismus-Experten Thomas Rammerstorfer haben die Veranstaltungen deutlich politische Schlagseite. Er geht davon aus, dass die Konzerte auch als Propaganda-Shows genutzt werden, um für ein Ja bei dem in der Türkei am 16. April anstehenden Referendums zu werben.

In Innsbruck hat der KURIER-Bericht bei Stadt und Land für Wirbel gesorgt. Sie sind Besitzer der Olympia-Halle, in der am Samstag das Tirol-Konzert stattfinden soll. Dass dieser Event für mögliche Wahlwerbung genutzt werden könnte, stößt dort auf wenig Gegenliebe. Stadt und Land suchten nach einer Lösung, um das Konzert, das von der Veranstaltungsbehörde bereits genehmigt worden sein soll, zu verhindern.

"Nur eine private Feier"

In Henndorf sieht Bürgermeister Rupert Eder (ÖVP) keinen Grund, die Veranstaltung abzusagen. "Es ist ja nur eine private Feier mit geladenen Gästen", meint Eder. "So ist die Auskunft von den Mietern und auch von der Bezirkshauptmannschaft, die das überprüft hat."

Von einer "privaten Feier" will der grüne Landtagsabgeordnete Simon Heilig-Hofbauer nichts wissen. "Das ist totaler Blödsinn. Ich habe dem Bürgermeister gesagt, was das für eine private Veranstaltung sein soll, die mit Flyern öffentlich angekündigt wird", meint Heilig-Hofbauer.

Erich Schneglberger von der BH Salzburg-Umgebung sagt, der Veranstalter habe ihm versichert, dass ihm der Wahlkampf um das türkische Verfassungsreferendum "dazwischengekommen" sei. "Er hat sich ganz klar von allen politischen Aktivitäten distanziert", meint Schneglberger.

Das Innenministerium hat unterdessen angekündigt, dass Polizei und Verfassungsschutz die Veranstaltungen "aufmerksam beobachten" werden.

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