APA14211866-2 - 19082013 - HALLSTATT - ÖSTERREICH: ZU APA 184 KI - Das bei der heurigen Grabungskampagne entdeckte Grab einer Frau aus der Hallstatt-Kultur auf einem undatierten Archivbild. Gefunden wurden bei dem Grab eine Bronze-Fibel, ein großer Gürtel aus Bronze-Blech sowie über 400 Perlen aus Bernstein und Gagat sowie ein fossiles Holz. +++ WIR WEISEN AUSDRÜCKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- UND/ODER URHEBERRECHTLICHEN GRÜNDEN AUSSCHLIESSLICH IM ZUSAMMENHANG MIT DEM ANGEFÜHRTEN ZWECK ERFOLGEN DARF - VOLLSTÄNDIGE COPYRIGHTNENNUNG VERPFLICHTEND +++ APA-FOTO: NHM

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Archäologie
08/19/2013

Grab einer High-Society-Lady aus der Hallstatt-Kultur entdeckt

Reiche Grabbeigaben in zwei neu gefundenen Bestattungen. Das Gräberfeld am Salzberg ist größer als angenommen.

Bei ihrer heurigen Grabungskampagne am Salzberg in Hallstatt in Oberösterreich stießen die Urgeschichtsforscher des Naturhistorischen Museum (NHM) Wien erneut auf zwei Gräber. Eines davon dürfte offenbar von einer Frau aus der High-Society der Hallstatt-Kultur sein, wie die reichen Grabbeigaben belegen. Eigentlich meinten die Wissenschafter schon genügend Gräber am Salzberg ausgegraben zu haben. Sie wollten deshalb mit der Erweiterung der Grabung mehr über die Siedlungsgeschichte am Hallstätter Salzberg erfahren. Doch die neu entdeckten Gräber belegen: das Gräberfeld ist offenbar größer als bisher angenommen.

Das jüngere Grab mit einer - nach ersten anthropologischen Erkenntnissen mit über 50 Jahren für die damalige Zeit relativ alten - Frau war "üppig bestückt", so Kern. Gefunden wurde eine Bronze-Fibel, ein großer Gürtel aus Bronze-Blech sowie über 400 Perlen aus Bernstein und Gagat, ein fossiles Holz. Die Perlen sind zwischen einem Millimeter und drei Zentimeter groß, wobei selbst die kleinsten davon durchbohrt sind. Die Wissenschafter vermuten daher, dass es sich um ein prunkvolles Gehänge gehandelt hat. Weiters wurden einige Keramikgefäße und noch nicht identifizierte Eisenobjekte gefunden.

"Derart üppige Grabausstattungen kommen vor, sind aber selten. Das war sicher eine Person von Rang, die hier bestattet wurde", sagte Kern. Auch bei den menschlichen Überresten im zweiten, älteren Grab fanden sich Fußringe, einige Bernsteinperlen und Keramikgefäße.

Mehr als 1500 Gräber

Das Gräberfeld im Hochtal oberhalb des Ortes Hallstatt ist einer der wichtigsten prähistorischen Bestattungsorte Europas. Bereits im 19. Jahrhundert wurden mehr als 1000 Gräber freigelegt, mittlerweile kennt man rund 1500 - aus der Zeit 800 bis 400 vor Christus, eine Epoche, die nach dem Fundort Hallstattzeit genannt wird. Gefunden wurden dabei zahlreiche Grabbeigaben, teilweise prachtvolle Gefäße, Waffen und Schmuck, die den durch Salzabbau und -handel entstandenen Wohlstand und weitreichende Handelsbeziehungen belegen.

Während das Gräberfeld also gut dokumentiert ist, weiß man über die Siedlungsgeschichte des Hallstätter Salzbergs noch relativ wenig. Deshalb erhofften sich die Wissenschafter von der Erweiterung der Grabung an einer Stelle, wo alte Aufzeichnungen keine Gräber vermuten ließen, neue Erkenntnisse. Bei diesen Grabungen stieß man dann auf die neuen Gräber. "Das Gräberfeld ist offenbar größer als wir dachten", sagte der Direktor der Prähistorischen Abteilung, Anton Kern. Statt auf Siedlungsreste stießen sie auf einem Gelände, das relativ steil zu einem Bach abfällt, in rund 25 Zentimetern Tiefe auf die zwei Gräber mit den Überresten von zwei Frauen und reichen Grabbeigaben.

500 v. Christus

Die Zuordnung der einzelnen Teile wird durch die Hanglage erschwert, durch Rutschungen der Erdschichten sind viele Knochen und Beigaben nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort. Zudem überschneiden die beiden Gräber einander. Bei der Anlage des jüngeren, aus der Zeit um 500 vor Christus stammenden Grabes wurde die etwas ältere Bestattung teilweise ramponiert.

Für heuer sind die Grabungen im Gräberfeld am Salzberg abgeschlossen. In den kommenden Jahren wollen die Wissenschafter tiefer gehen. Denn erste Sondierungen haben gezeigt, dass sich unter den Gräbern Siedlungsreste aus der Bronzezeit finden. Auch der am Grabungsgelände vorbeifließende Bach hat beim Hochwasser im Frühjahr eine bronzezeitliche Schicht freigelegt, sagte Kern.

Hallstatt hat einer ganzen Epoche der Urzeit den Namen gegeben, der „älteren Eisenzeit“ oder „Hallstattkultur“. Zu Ende des 9. Jahrhunderts v. Chr. bahnte sich in Mitteleuropa eine Kulturwende an. Das Eisen begann sich auch in Mitteleuropa zu etablieren und die Bronze als wichtigstes Metall abzulösen. Um 800 wurde auch in Mitteleuropa das Eisen gebräuchlich. Als in Mitteleuropa die Hallstattzeit einsetzte, waren in Griechenland die Homerischen Epen schon entstanden oder im Entstehen, lebten in Italien die Etrusker, Rom wurde gerade gegründet (753 v. Chr.) und die Griechen begannen mit der Kolonisation der gesamten Mittelmeerwelt.

Hallstatt erlangte seine Bedeutung durch die Salzvorkommen. Jungsteinzeitliche Funde vom Hallstätter Salzberg lassen auf eine weit zurückreichende Nutzung des Areals schließen. Seit dem 18. Jahrhundert v. Chr. sind Spuren des Bergbaus nachweisbar. Es wurden sehr tiefe und steile Schächte abgetäuft. Eine Holzstiege aus der Mitte des 14. Jahrhunderts v. Chr. lässt einen hohen technischen Standard erkennen. Ein massiver Wassereinbruch an der Wende von der Bronze- zur Eisenzeit brachte diesen ältesten Bergbau zum Erliegen.

Weltberühmt wurde Hallstatt, weil am Salzberg 1846 von Johann Georg Ramsauer ein ausgedehntes Gräberfeld entdeckt und teilweise ausgegraben. Dabei ließ er die Ausstattung jedes einzelnen Grabes durch vorzügliche Zeichnungen dokumentieren, eine Seltenheit in der Frühzeit der Archäologie. Der Wohlstand der Bevölkerung findet in den Grabbeigaben des berühmten Hallstätter Gräberfeldes seinen Niederschlag. Die Hallstätter Funde gehören zu den wertvollsten Beständen der gesamten europäischen Urgeschichte. Eine ganze Reihe von Fremdformen bezeugen die weitreichenden Handelskontakte der Salzherren nach allen vier Himmelsrichtungen.

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