(Symbolbild)

© AP/Bebeto Matthews

Kärnten
09/05/2016

"Gewaltvideos" von minderjährigen Flüchtlingen: Kein IS-Bezug

Im selben Heim hatten Jugendliche vor Kurzem eine Betreuerin festgehalten.

Handyvideos, die von minderjährigen Flüchtlingen in einem Kärntner Jugendheim gedreht und in Medienberichten als "Terrorvideos" bezeichnet worden sind, beschäftigen derzeit die Kärntner Exekutive. "Es gibt aber keinen IS-Bezug", erklärte ein Beamter des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) am Montag auf APA-Anfrage.

"Das sind traumatisierte Jugendliche, die ihre schrecklichen Erlebnisse aufarbeiten", sagte der Verfassungsschützer. Es gebe zwar unschöne Szenen in den Filmen, von "Terrorvideos" könne aber keine Rede sein. Der Verfassungsschutz sei über die Vorkommnisse informiert worden, ein Sachverständiger habe die Videos überprüft, mit Terrorismus habe die Angelegenheit nichts zu tun. Man halte das Heim bzw. die paar Jugendlichen aber unter Beobachtung.

Der Flüchtlingsbeauftragte des Landes Kärnten, Udo Puschnig, betonte gegenüber der APA, dass es sich nur um einige wenige der insgesamt mehr als 50 Heimbewohner handle, mit denen es Probleme gebe. Vergangene Woche hatten drei von ihnen eine Betreuerin fast eine Stunde lang in ihrem Büro festgehalten, um sie einzuschüchtern. In dieser Causa ermittelt die Polizei wegen Freiheitsberaubung. Puschnig betonte, dass sowohl die Jugendabteilung als auch die Kinderfreunde als Betreiber nicht zur Tagesordnung übergehen würden, man sei sensibilisiert und stehe auch in Kontakt mit der Polizei.

Der Kärntner Landeshauptmann und Flüchtlingsreferent Peter Kaiser (SPÖ) hat aufgrund der Vorfälle zwei Punkte auf die Tagesordnung der nächsten Flüchtlingsreferentenkonferenz reklamiert, wie sein Sprecher Andreas Schäfermeier zur APA sagte. Kaiser wird eine spezielle Betreuungseinrichtung für "Problemjugendliche" fordern. Außerdem verlangt der Landeshauptmann vom Innenministerium, dass künftig wieder die sogenannten Stammdatenblätter der aus Traiskirchen an die Länder zugeteilten Flüchtlinge mitgeschickt werden. Dies sei früher Usus gewesen, inzwischen würden die Unterlagen aber nicht mehr mitgeliefert. Das sei insofern bedauerlich, dass sich darin auch medizinische Daten wie Krankengeschichten befinden würden.