Chronik | Österreich
02.01.2016

Gerangel um Strecke für Roboterauto

Im Frühjahr entscheidet der Bund, in welcher Region die selbstfahrenden Wagen unterwegs sein dürfen.

Um die Teststrecken für Roboterautos entwickelt sich ein regelrechtes Gedränge: Die Steiermark ist daran interessiert; der Autocluster Styria macht sich dafür stark, ebenso die Landespolitik. Oberösterreich würde ebenfalls gern Testpilot spielen, auch Tirol will das Rennen machen. Den großen deutschen Kfz-Herstellern wäre Tirol schon wegen der räumlichen Nähe recht.

"Bei aller Wertschätzung für Tirol das Autoland sind schon wir", merkt der steirische Verkehrslandesrat Jörg Leichtfried, SPÖ, an. "Das ist eine Branche mit Zukunftschancen." In der Steiermark bietet sich die A 2 südlich von Graz bis in den Raum Leibnitz als Teststrecke an.

Wo die mehrere Kilometer lange Strecke entstehen wird, entscheidet aber der Verkehrsminister. Alois Stöger, SPÖ, hat im Oktober vier Arbeitsgruppen eingesetzt, die mit Juristen, Technikern, Psychologen und Straßenbauexperten besetzt sind. Sie sollen bis zum Frühjahr die Rahmenbedingen ausloten. Für Forschung und Entwicklung rund um fahrende Wagen gibt es auch Subventionen; der Fördertopf ist 2,5 Millionen Euro schwer. Doch bis Dezember hat noch niemand zugegriffen. "Derzeit liegen noch keine konkreten Förderansuchen über Testvorhaben für selbstfahrende Autos vor", heißt es in einer Anfragebeantwortung Stögers.

Keine Regelung in StVO

Damit fahrerlose Autos überhaupt in Österreich unterwegs sein können, müssen ohnehin zuvor rechtliche Hausaufgaben gemacht werden. Die geltende Straßenverkehrsordnung sieht nämlich keine Regelung für solche Kfz vor. "Außerdem muss man hinterfragen, ob noch weitere Problemstellungen auftauchen", überlegt Steiermarks Verkehrslandesrat Leichtfried. "Was ist im Haftungsfall? Wer haftet, wenn ein Schaden entsteht?"

Auch der verkehrspolitische Aspekt müsse bedacht werden: Reduzieren etwa selbstfahrende Autos auf lange Sicht das Verkehrsaufkommen oder verstärken sie es? "Geht man davon aus, dass das funktioniert, könnte man sagen, das Auto bringt einen zur Arbeit, fährt wieder heim und holt einen wieder ab", sinniert Leichtfried. "Das wären doppelte Fahrten, doppelter Verbrauch, doppelter Lärm." Das sei derzeit zwar noch Science Fiction, gesteht Leichtfried ein. "Aber in der Verkehrspolitik muss man alles von Anfang an mitüberlegen, damit man keine Überraschungen erlebt."