Heerespiloten werden für schwierigste Einsätze trainiert

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Diskussion
06/14/2016

Diskussion: "Gelbe Engel" bald in Heeresgrün?

Militärpiloten könnten Notfall-Einsätze fliegen, ÖAMTC die Wartung der Maschinen übernehmen.

von Johannes Weichhart, Patrick Wammerl

Es war im Jahr 2008, als die ÖAMTC-Flugrettung selbst zum Intensiv-Patient wurde und dringend Hilfe benötigte. Neun Standorte standen vor dem Aus, weil die "Gelben Engel" nicht mehr kostendeckend fliegen konnten. Einen jährlichen Abgang von 4,5 Millionen Euro wollte der Club nicht mehr hinnehmen und kündigte seine Verträge mit der Republik. Die Aufregung war groß. Als finanzielle Retter in höchster Not kamen schließlich die Länder und Sozialversicherungsträger zu Hilfe.

"Mittlerweile", sagt ÖAMTC-Sprecher Ralph Schüller, "fliegen wir eine schwarze Null ein." Die Verträge mit den Ländern seien jeweils auf fünf Jahre ausgerichtet.

Ob dieses System in den kommenden Jahren so bestehen bleibt, ist allerdings offen. Denn wie der KURIER erfuhr, könnte am Himmel ein neuer Konkurrent auftauchen.

Flugstunden

Im Verteidigungsministerium wird derzeit die Idee diskutiert, künftig im Flugrettungsgeschäft kräftig mitzumischen. "Die Gespräche befinden sich allerdings noch in einer sehr frühen Phase. Wir sind dabei, die Vor- und Nachteile eines Einstiegs abzuwiegen", berichtet ein Heeres-Insider.

Nachgedacht werde derzeit gleich über mehrere Varianten, wie in Erfahrung zu bringen war. So könnten künftig Soldaten die Fluggeräte zu den Einsatzorten pilotieren, um dort die Verletzten aufzunehmen. Der Vorteil für das Bundesheer: Die Piloten würden rascher ihre notwendigen Flugstunden absolvieren können und dabei ihre Fähigkeiten erweitern. Das medizinische Personal könnte etwa von den Ländern bereitgestellt, dem ÖAMTC die Wartung der Maschinen überlassen werden.

Die Idee ist übrigens nicht neu. Schon vor Jahren wollte das Heeresspital für das Marchfeld im Osten Österreichs einen Hubschrauber und Notärzten für medizinische Notfälle bereitstellen. Verwirklicht wurde diese Idee allerdings nie.

Mehr Geld

Dass die Generäle diese Überlegungen überhaupt anstellen können, hat freilich einen Grund: Die Armee hat wieder Geld. Mehr als eine Milliarde Euro zusätzlich zum Budget wurden vom Finanzminister bereits zugesichert. Mit dem Geld sollen unter anderem Teile der Luftflotte erneuert werden. Unter anderem müssen die OH-58 Kiowa und die französischen Alouette III ersetzt werden, die mittlerweile Museumsreife erlangt haben. Entscheidet sich Minister Hans Peter Doskozil für den Ankauf des Modells Eurocopter, dann würden Heer, Polizei und auch der ÖAMTC über typengleiche Modelle verfügen. Sollte die Idee mit der Flugrettung "Made by Bundesheer" wieder verworfen werden, könnte somit Plan B in Kraft treten: einer Wartung aller Maschinen im Fliegerhorst Langenlebarn.

Nicht alle jedoch sind überzeugt, dass das Bundesheer genügend Piloten für den Rettungsdienst hat (siehe unten). Das Ministerium weist dies allerdings zurück. "In den vergangenen Wochen und Monate haben wir einen verstärkten Zulauf an Nachwuchspiloten verzeichnet", sagt dazu Sprecher Michael Bauer. Es gäbe derzeit keine Probleme, die Einsätze zu fliegen.

Trotz eines möglichen, neuen Konkurrenten, will der ÖAMTC weiter an seinen Stützpunkten festhalten, der Rest sei ohnehin Ländersache. "Sollte es zu einer Neuausschreibung kommen, dann werden wir uns selbstverständlich wieder bewerben", betont Schüller.

Flugretter halten Versorgung durch das Heer für unmöglich

Beim operativen Betrieb der Christophorus-Flugrettung kann man den Überlegungen, Änderungen in der medizinischen Versorgung aus der Luft vorzunehmen, wenig bis gar nichts abgewinnen. Man höre überhaupt das erste Mal von solchen Plänen. Aus Sicht der Flugrettungs-Experten sei es derzeit undenkbar, dass das Bundesheer eine flächendeckende Notarzt- und Sanitätsversorgung für ganz Österreich auf die Beine stellt, sagen die führenden Notfall-Mediziner der Flugrettung in Niederösterreich.

Das Gegenteil sei der Fall: "Das Bundesheer ist mit der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding einen Kooperationsvertrag eingegangen, dass ihre Ärzte und Heeres-Sanitäter in den nö. Kliniken für Auslandseinsätze entsprechend ausgebildet werden", erklärt ein Mediziner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Was die Wartung seiner 16 Hubschrauber anbelangt, ist der ÖAMTC quasi Selbstversorger; die Maschinen des Typs Eurocopter EC135 werden von den Technikern der Flugrettung selbst gewartet. Auch das Innenministerium greift mit seinen Polizei-Hubschraubern immer wieder auf die Wartung durch die ÖAMTC-Leute zurück. Die Crews befinden sich täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in permanenter Einsatzbereitschaft am Stützpunkt.

In 15 Minuten am Ort des Geschehens

Im Jahr 1983 startete der ÖAMTC mit Christophorus 1 die medizinische Versorgung aus der Luft. Heute sind es 16 Standorte in ganz Österreich, auf denen die Crews auf ihre Einsätze warten. Mehr als 260.000-mal sind die Fluggeräte des Clubs Menschen nun schon zu Hilfe gekommen.

Innerhalb von drei Minuten nach der Alarmierung heben die „Gelben Engel“ ab, im Normalfall sind sie in 15 Minuten am Ort des Geschehens. Neben dem Piloten befinden sich immer ein Notarzt und ein Sanitäter an Bord. Die Technik macht es möglich, dass nun auch in der Nacht geflogen werden kann.

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