Chronik | Österreich
08.05.2017

Gegner des Murkraftwerks mussten vor Gericht

Zwei bekannte Kritiker der Grazer Staustufe waren anwesend, als die Baustelle besetzt wurde.

"Ich war sicher, was die ESTAG anbelangt, ein Zeck’", gesteht Franz Keppel ein. "Aber das bin ich gern, wenn’s um die Natur geht." Das bleibt das einzige Zugeständnis, das er Montag macht: Der Fotograf will sich weiter gegen die Energie Steiermark (ESTAG) behaupten, die von ihm eine Unterlassungserklärung und zumindest 150 Euro fordert.

Es geht um das neue Murkraftwerk in Graz-Puntigam. Rund 100 vermummte Aktivisten besetzte am 15. Februar die Baustelle. Auch Keppel und Romana Ull, Vizepräsidentin des Naturschutzbundes, sahen sich dort um; beide wurden auf Unterlassung geklagt. Doch beide beteuern vor Gericht: Sie hätten nichts besetzt, niemanden aufgehetzt. Keppel sagt, er habe Fotos gemacht. Ull betont, sie habe Würfelnattern am Ufer gezählt.

Der Saal war voll

Der Verhandlungssaal am Bezirksgericht ist viel zu klein Menge an Zuhörern. Nationalratsabgeordneter Werner Kogler, Grüne, ärgert sich, dass kein größerer Saal ausgewählt wurde. „Das hätte die Gerichtsleitung erkennen müssen, das hier Interesse besteht.“

Keppels Prozess wird fortgesetzt, Ull akzeptiert die Unterlassungserklärung, die sie noch widerrufen kann. "Ich hab’ Besseres zu tun, als mit Naturzerstörern am Gerichtstisch zu sitzen", begründet sie. D’accord geht sie mit Keppel über den Grund, warum sie beide geklagt wurden: "Wir sollen eindeutig zur Schau gestellt werden." Keppel nennt es gar "eliminieren": "Es geht darum, dass Leute eingeschüchtert werden sollen, die gegen dieses Kraftwerk sind."

ESTAG-Sprecher Urs Harnik-Lauris kontert, es habe "gut ein Dutzend" solcher Fälle gegeben. "Jeder, der identifiziert werden konnte, wurde zur Anzeige gebracht. Die Regeln sind für alle gleich."