Der Verletzte muss 200 Meter durch einen Schacht gehievt werden.

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Höhlendrama
06/15/2014

Gefährlicher Aufstieg durch Steilwände

Bei der Bergung des Verletzten sind die Retter bei einem der schwierigsten Abschnitte angelangt.

von Jürgen Pachner

Es ist bitterkalt, stockdunkel, schlammig, nass und rutschig. Seit einer Woche sitzt Höhlenforscher Johann Westhauser, 52, nach einem Steinschlag mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma bei extremen äußeren Verhältnissen im Bauch des Untersbergs bei Berchtesgaden fest.

Es sind Bedingungen, die einem Gesunden psychisch alles abverlangen. Für Außenstehende scheint daher kaum vorstellbar, wie ein schwer Verletzter derartiges so lang ertragen kann. Doch Westhauser hält sich bisher sehr tapfer und wird das wohl auch in den kommenden Tagen weiter tun müssen. Verläuft der Rettungseinsatz nach Plan, könnte er Ende der Woche endlich wieder Sonnenlicht sehen, in einem sauberen Bett liegen und mit seiner Familie plaudern.

70-Grad-Schacht

Die am Freitagabend angelaufene Bergung des Patienten gestaltete sich bis Sonntagabend nach Wunsch. Laut Angaben der Bergwacht Bayern hat das Rettungsteam gegen Mittag das in rund 900 Meter Tiefe liegende Biwak 4 erreicht. Nach einer längeren Ruhepause sollte der Trupp im Anschluss in Richtung Lager 3 aufbrechen.

Dieser Streckenabschnitt gilt als extrem schwierig, kräfteraubend und gefährlich. Während der Weg zu Biwak 4 weitgehend waagrecht bewältigt werden konnte, müssen zu Biwak 3 großteils senkrecht abfallende Steilwände überwunden werden. "Es handelt sich hier um einen 70 Grad steilen Schacht und es sind mehrere Schrägstufen zu überwinden", sagt Erich Hofmann, Landeseinsatzleiter der nö. Höhlenretter. Der 57-Jährige hat in der Vorwoche (von Mittwoch bis Samstag) gemeinsam mit einem Kärntner Kollegen den Einsatz des österreichischen Höhlenretter-Teams koordiniert. Einige seiner Leute waren auch an der Sicherung des anspruchsvollen Streckenabschnitts beteiligt. "Dort mussten technische Einbauten wie Flaschenzüge und Seilwinden angebracht werden."

Ohne Pause

In dieser Passage kann der Verletzte nicht immer völlig waagrecht mit der Trage transportiert werden. "Die etwa 200 Meter Höhendifferenz bis Biwak 3 können die Retter nur in einem Stück durchfahren (Fachausdruck)", betont Hofmann. Für die Helfer gebe es keinen Platz, wo sie eine Pause einlegen könnten. Auch die Ärzte haben in dem Bereich keine Möglichkeit, Westhauser medizinisch zu betreuen. "Man muss sich das so vorstellen, als ob er am Donauturm außen auf einem Seil hängt und nach oben gezogen wird." Die zu erwartenden Strapazen seien für alle Beteiligten jedenfalls enorm.

"Ohne Teamarbeit geht überhaupt nichts. Hier funktioniert alles nur durch das kluge Zusammenwirken zahlreicher Kräfte." Hofmann rechnet damit, dass es etwa 24 Stunden dauern werde, den schwierigen Streckenabschnitt zu bewältigen. "Wichtig ist, dass es in der Zeit nicht auch stark regnet, das könnte problematisch werden."

Auch in den darauffolgenden Tagen warten auf den Rettungstrupp zahlreiche Herausforderungen. "Zwischen Biwak 2 und Biwak 1 ist eine gefährliche Canyoning-Passage zu erwarten – das ist ein sehr langer, enger Spalt, der nach unten hin offen ist."

Aktuell sind in Berchtesgaden noch 21 Österreicher im Einsatz. Hofmann ruht sich derzeit zu Hause von den Strapazen aus. "Wenn nötig, werde ich am Mittwoch aber wieder nach Bayern fahren und weiter mithelfen."

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