Chronik | Österreich
09.05.2017

Funkloch: Helfer schlagen Alarm

Nur im Süden wird noch analog gefunkt, weil 22 Millionen für die Digitalisierung fehlen.

Funklöcher, Störsignale, Probleme mit Datenmengen, eingeschränkte Kommunikation zwischen Hilfsorganisationen und Bundesländern – in Kärnten schlagen Polizei, Rotes Kreuz und Feuerwehr Alarm, weil sie weiter das alte analoge Funksystem nutzen müssen. Dem Land fehlt das Geld für die Umstellung auf Digitalfunk, die in Restösterreich entweder realisiert oder in Planung ist.

Bis 2020 will das Innenministerium flächendeckend für Hilfs- und Rettungsorganisationen den Digitalfunk genutzt wissen. Tirol fungierte vor elf Jahren als Pionier, inzwischen haben alle anderen Länder nachgezogen, das Burgenland steht kurz davor. "Die Einführung würde 22 Millionen Euro für neue Sender und schließlich eine Million jährlich für den Betrieb verschlingen – diese Mittel haben wir nicht", begründet das Büro von Katastrophenreferent LH Peter Kaiser (SPÖ) die Tatsache, dass im südlichsten Bundesland nicht einmal ein diesbezüglicher Zeitplan existiert.

Kärntens Helfer und Retter sind indes stets bemüht, am neuestens Stand der Technik zu sein. Um 15 Millionen Euro wurde jetzt in Klagenfurt eine neue Rot-Kreuz-Rettungsleitstelle hochgezogen, und alle Stücke wird auch die Landesalarm- und Warnzentrale in der Landeshauptstadt spielen, die aktuell umgebaut wird. Nur die Politik spielt nicht mit und lässt die Organisationen analog funken. "Dieses Netz stößt jetzt an seine Kapazitätsgrenzen. Die Datenmengen werden immer größer, denn der meiste Funkverkehr passiert nicht mehr per Sprechfunk, sondern durch Datentransfer", warnt Rot-Kreuz-Präsident Peter Ambrozy. Die sichere Kommunikation unter den Einsatz-Organisationen sei nicht gewährleistet.

"Immer anfälliger"

Die Exekutive kann in dieses Klagelied nur einstimmen. "Durch zusätzliche Funkdienste wie W-LAN wird das analoge Netz immer schlechter und anfälliger für Störsignale. Das verkompliziert den Dienst und die Kommunikation untereinander", erklärt Walter Mack, Leiter der Logistikabteilung der Landespolizeidirektion Klagenfurt.

Der Vergleich macht im Fall der Polizei sicher, denn zumindest in Klagenfurt wurde wegen der Fußball-Europameisterschaft 2008 der Digitalfunk eingeführt. "Hier ist das Funknetz sicher – übrigens auch abhörsicher", erklärt Mack weiter. In ländlichen Regionen müsse man hingegen oft zum Funkstreifenwagen eilen, um dort den Funk zu nutzen.

Alternative gefunden

Vonseiten der Feuerwehr heißt es, man komme "noch" mit dem analogen System aus, sagt Kommandant Rudolf Robin. Probleme ortet er bei Einsätzen, die eine Kooperation über Landesgrenzen hinweg bedingen, wo also "analog auf digital trifft". Aber Not macht bekanntlich erfinderisch – so wurden beispielsweise einige Feuerwehren auf der Kärntner Seite des Katschbergtunnels an der Grenze zu Salzburg mit digitalen Funkgeräten ausgestattet, um im Einsatzfall mit den Kollegen problemlos kommunizieren zu können.

"Ja, es gibt bereits negative Konsequenzen im Kärntner Einsatzgeschehen", ortet auch Ministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck eine Säumigkeit bei der Umsetzung der Empfehlung aus Wien. Das Ministerium bleibe bei seiner Planung und hoffe, dass sich "die leider noch offenen Fragen mit Kärnten bald klären lassen".