Chronik | Österreich
03.04.2017

Freiwillige frustriert von Asylpolitik

Sie kritisieren Abschiebungen und sehen ihre Arbeit ruiniert.

Jawed Hossaini – 19 Jahre alt, aus Afghanistan – lebte drei Jahre lang in Österreich – eines in Wien, zwei in Vorarlberg. Dort hat sich der Handball-Profi Frédéric Wüstner um ihn gekümmert: Dem jungen Afghanen ein Handballtraining ermöglicht, ihn bei Behördengängen unterstützt. Hossaini ging zur Schule, hat Deutsch gelernt und in der Nacht als Zeitungszusteller gearbeitet.

Vorige Woche wurde er nach Afghanistan abgeschoben. "Leider habe ich am Mittwoch meinen besten Freund verloren", sagt Wüstner. In Kabul sei der 19-Jährige ohne Familie und ohne Bleibe; vorerst habe er Unterschlupf bei einem Fremden gefunden: "Er hat keinen Pass und kann sich auch keinen ausstellen lassen." Warum? Das Bundesamt für Asyl hätte schlicht vergessen, Hossaini seine Geburtsurkunde im Original bei der Abschiebung auszuhändigen. "Als ich die Behörden darauf aufmerksam machte, bot man an, die Urkunde per Post nach Afghanistan zu schicken", sagt Wüstner. Davon abgesehen, ob ein amtliches Schreiben tatsächlich in Afghanistan zugestellt werden könnte, habe Jawed Hossaini laut Wüstner aktuell ja nicht einmal eine Meldedresse.

Arbeit nicht geschätzt

Gemeinsam mit Edda Engelke, Erika Kudweis und Barbara Kreuzer äußerte Frédéric Wüstner am Montag seinen Unmut zur aktuellen Asylpolitik in Österreich. Alle Genannten engagieren sich freiwillig in der Flüchtlingshilfe:

Edda Engelke betreut afghanische Jugendliche in der Steiermark; Erika Kudweis ist Obfrau des Vereins "PatInnen für Alle", der jungen Flüchtlingen in Purkersdorf, Gablitz und St. Andrä-Wördern (NÖ) Mentoren zur Seiten stellt; Barbara Kreuzer ist im Verein "Connect Mödling" (NÖ) aktiv, der sich umfassend um die Integration von Flüchtlingen bemüht und zuletzt eine Petition für faire Asylverfahren, gegen die Abschiebung nach Afghanistan und gegen die Abschiebung gut integrierter Asylwerber gestartet hat. Und sie sind – wie viele andere Ehrenamtliche frustriert: "Freiwillige Helfer investieren Zeit, Energie und all ihre Kontakte, um geflüchteten Menschen zu integrieren. Regional wird das gesehen, aber auf Bundesebene wird unsere Arbeit nicht nur nicht geschätzt, sie wird sogar kaputt gemacht", sagt Erika Kudweis.

Dass sich die EU mit Afghanistan auf ein Rücknahmeabkommen geeinigt hat, ist laut Kudweis "ein falscher, fauler Deal"; Afghanistan sei "kein sicheres Land. "Die Burschen sollen in ein Land zurück, wo sie niemanden mehr haben", sagt Kudweis. Manche ihrer Schützlinge würden aus Angst vor Abschiebung nun unter Panikattacken leiden.

Barbara Kreuzer von "Connect Mödling" teilt die "Verzweiflung und Bestürzung, über das, was gerade passiert. "Ehrenamtliche Helfer sind frustriert über die Vorgehensweise von Politik und Behörden." Unterstützung bekommen die Helfer von der Asylkoordination: "Wir sind beunruhigt, dass rechtsstaatliche Standards aus politischen Gründen ausgehebelt werden", sagt Sprecher Herbert Langthaler.

Frédéric Wüstner versucht, den Kontakt mit Jawed Hossaini in Kabul aufrechtzuerhalten. "Aber ich habe ehrlich gesagt Angst, dass sich Jawed dort etwas antut."