Im Bodenseeraum will die Bevölkerung keine Fracking-Bohrtürme.

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Vorarlberg
04/11/2014

Fracking: Reizwort am Bodensee

EU-Kommissar hat sich in Lech mit Werbung für Schiefergas-Förderung keine Freunde gemacht.

von Christian Willim

Über 60.000 Vorarlberger haben zuletzt eine Petition gegen Fracking unterzeichnet. In seiner letzten Sitzung nahm der Landtag ein Verbot der umstrittenen Fördermethode für Schiefergas sogar in die Verfassung auf. Und ausgerechnet im Ländle hat der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger sich nun für Fracking ausgesprochen. Er erntete eine Welle der Empörung.

Im Rahmen des Lech Energy Forumsmeinte Öttinger Donnerstagabendgegenüber dem ORF, Europa dürfe sich nicht auf Dauer dem Thema Schiefergas verschließen. Beim Fracking wird mit einem Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch Schiefergasgestein in 1000 bis 1500 Meter Tiefe aufgebrochen, um das Gas aus Hohlräumen entweichen zu lassen. Kritiker fürchten, dass dabei Umweltgifte in das Grundwasser gelangen könnten.

Das Thema wird im Bodenseeraum mit besonderer Sensibilität beäugt. Denn in der Region werden große Schiefergas-Vorkommen vermutet. Im deutschen Baden-Württemberg laufen zudem seit Jahren Erkundungen durch private Energieunternehmen. Gleichzeitig ist der Bodensee Trinkwasserquelle für Millionen Menschen.

Vorarlbergs Oppositionsparteien bezeichneten am Freitag die Aussagen des EU-Gastes als "ungeheuerlich" (FPÖ), "katastrophal" (Grüne) und "unverantwortlich" (SPÖ). Aber auch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) stimmte in den Kanon ein: "Der Schutz für die vor Ort lebende Bevölkerung und für unser Trinkwasser hat klar vor wirtschaftlichen Interessen zu stehen."

Doch diese wirtschaftlichen Interessen haben zuletzt wieder Aufwind bekommen. Bereits vor zwei Wochen hatte Öttinger angesichts der Krim-Krise Werbung für Fracking gemacht. Es gehe um die Reduzierung der Abhängigkeit von russischem Gas.

Am Bodensee ist die Ablehnung dieser Energieform jedoch grenzüberschreitend groß. Im vergangenen Dezember hat die Internationale Bodenseekonferenz Fracking einstimmig eine Absage erteilt. Zu den Mitgliedern gehören neben Vorarlberg mehrere Schweizer Kantone, aber auch die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern.

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