Chronik | Österreich
12.01.2018

FPÖ: Um jeden Preis Landeshauptmann

FPÖ-Chef nimmt Anleihen bei Haider und will dessen erfolgreiche Ära neu ausrufen.

Um jeden Preis an die glorreichen Zeiten der Kärntner Freiheitlichen anschließen. Und damit in die Fußstapfen der ehemaligen Landeshauptleute Gerhard Dörfler und Jörg Haider treten. Das will FPÖ-Parteichef Gernot Darmann bei der Landtagswahl am 4. März. Dafür wirft er 590.000 Euro in die Wahlschlacht gegen die SPÖ. Auch wenn es nur zu Platz zwei reichen sollte, will Darmann Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) stürzen.

Von dessen Vor-Vorgänger, also Haider, hat Darmann viel gelernt, denn seine Wahlkampfauftakt-Pressekonferenz am Donnerstag mutierte zur 29-minütigen Brandrede, in der er stets "unser schönes Kärntnerland" hervorstrich, das von der "Stillstands-Koalition" aus SPÖ, ÖVP und Grünen heruntergewirtschaftet worden sei. Lobend erwähnte er hingegen die positiven Veränderung im Bund. Seine Kontakte zu den Regierungsmitgliedern würden Kärnten auf die Erfolgsspur führen.

Der Stammtisch

Anlehnung beim verstorbenen Landeshauptmann nahm Darmann auch in Sachen Bürgernähe. Monatelang sei er durch die Täler getourt und habe an Stammtischen "die Sorgen, Ängste und Wünsche der Kärntner nach einem Ende der linken Politik" aufgenommen, die sich eins zu eins im 60-seitige Wahlprogramm wiederfinden würden. Oberste Priorität haben für Darmann der Ausbau der heimischen Arbeitsplätze, Heta-Neuverhandlungen mit dem Bund sowie eine sorgsame Standort- und Bildungspolitik – und der 42-Jährige zeigte sich empört, dass ihm die SPÖ mit Wahlzuckerln wie Gratis-Kindergärten und Mietensenkungen in die Parade gefahren ist. "Ein fünf Jahre altes Versprechen. Jetzt nehmen wir die Sozialisten beim Wort und berufen einen Sonderlangtag ein, um diese beiden Punkte noch vor der Wahl zu beschließen. Mal sehen, ob die SPÖ mitzieht."

Duell um Platz eins

Überhaupt sind die Roten und höchstpersönlich Kaiser der Gegenspieler. "Es wird das Duell um Platz eins. Wir wollen so stark zulegen, dass man an der FPÖ-Politik nicht vorbeikommt, vielleicht Erster werden (2013 erreichte die FPÖ 16,85 Prozent, die SPÖ 37,13 Prozent, Anm.). Ja, wir wollen gegen eins marschieren", erklärte Darmann. Bundesparteichef Heinz Christian Strache hatte ihn ja vor eineinhalb Jahren als starken Mann in Kärnten installiert, um eben dieses Ziel zu erreichen.

590.000 Euro Budget

Eine Koalition seiner Partei mit den Roten schließt Darmann trotz aller Meinungsverschiedenheiten nicht aus ("Es gibt eine gute Gesprächsbasis mit Kaiser"), ebenso wenig mit allen anderen Parteien bis auf die Grünen. Ob er auch als Zweitplatzierter Landeshauptmann werden wolle? Nach mehrmaligem Nachhaken ließ Darmann sich ein Kopfnicken entlocken. Eine Kooperation mit der ÖVP wie in Wien wäre ja unter umgekehrten Voraussetzungen auf Landesebene ein realistisches Szenario. Am Einsatz finanzieller Mittel wird es nicht scheitern. Die Freiheitlichen werden die gesamte gesetzlich mögliche Summe von 590.000 Euro ausschöpfen.