Chronik | Österreich
10.11.2017

FPÖ lockt den EU-Bauern mit Amt

Freiheitliche wurden wichtigster Auftraggeber des Stars des Villacher Faschings.

Einige Türen selbst zugeschlagen hat sich der von den Villacher Faschingssitzungen bekannte EU-Bauer Manfred Tisal mit seinem Facebook-Posting über "Flüchtlinge als Sozialschmarotzer" – aber dadurch öffnete sich eine neue Tür: Die FPÖ wirbt nun offensiv um seine Dienste und bietet ihm nach der Landtagswahl am 4. März 2018 eine politische Funktion an. Tisals Karriere als Faschingsnarr wäre dann freilich beendet.

Seit 1990 steht Tisal als EU-Bauer mit seiner Kuh Rosa auf der Bühne der Villacher Faschingsgilde. Diese unentgeltliche Funktion brachte dem gelernten Koch einen gewissen Promistatus ein und war Initialzündung für seine wöchentlichen Wortspenden namens "Kuhmentar" auf ORF-Kärnten sowie seine Karriere als Autor, Moderator und Kabarettist. Der Villacher kam also stets gut über die Runden – bis er mit seinen Aussagen über Asylwerber für Diskussionsstoff sorgte. Der ORF-Kärnten kündigte die Zusammenarbeit auf, weitere Auftraggeber folgten diesem Beispiel. "16 Veranstalter, die mich gebucht hatten, haben einen Rückzieher gemacht. Mir bleiben ein paar Firmenfeiern, mein wichtigster Auftraggeber ist inzwischen die FPÖ", gesteht er.

Verhandlungen

Die Bundespartei hatte ihn als Moderator für Veranstaltungen im Nationalratswahlkampf angestellt, die Kärntner FPÖ nimmt ihn jetzt für ihre Events in Anspruch. Dabei soll es aber nicht bleiben, nach der Landtagswahl 2018 winkt ein politisches Amt. "Es ist der ausdrückliche Wunsch von Parteichef Heinz Christian Strache, dass Tisal zu uns kommt. Es hat bereits einige interessante Gespräche gegeben. Im Dezember wird unser Team für die Landtagswahl erstellt", erklärt Kärntens FPÖ-Vorsitzender Gernot Darmann.

Tisal ist nicht abgeneigt. "Ich bin der FPÖ dankbar, habe kaum mehr ein anderwertiges Einkommen und muss an meine berufliche Zukunft denken. Bevor ich mich entscheide, werde ich die Sache noch mit meiner Familie besprechen."

Politisch war der 64-Jährige erst einmal tätig – als Gemeinderat für eine unabhängige Bürgerinitiative in Arnoldstein. Mit der FPÖ-Mitgliedschaft hätte Tisal, der einst mit Jörg Haider bei dessen Aschermittwochrede in Ried aufgetreten war, kein Problem. "Der Bäcker fragt nicht nach dem Parteibuch, wenn ich meine Semmeln kaufe", erklärt er. Einen "Parteisoldaten" werde er aber nicht abgeben, vielmehr immer seine Meinung sagen. Sein Motto sei: "Als Narr und Demokrat im Land, beiß ich auch die Futterhand."

Blau statt Rosa

Die Narrenkappe müsste der EU-Bauer aber an den Nagel hängen, wenn er von seiner Rosa zu den Blauen wechselt. Ab welchem Zeitpunkt, ist unklar. Laut den Statuten der Villacher Faschingsgilde dürfen Mitglieder, die eine politische Funktion ausüben, nicht vor den Vorhang treten.

Die Villacher Faschingssitzungen finden von 5. Jänner bis 3. Februar 2018 statt, die ORF-Aufzeichnung wird am Faschingsdienstag, dem 13. Februar, ausgestrahlt. Da die Landtagswahl erst Anfang März in Szene geht und Tisal bis zu diesem Termin sicherlich kein FPÖ-Amt ausüben wird, könnte er noch ein letztes Mal in die Rolle des EU-Bauern schlüpfen.

"Jugend ist dran"

"Heikel wird es, wenn Tisal bereits im Dezember auf einer FPÖ-Liste steht, einen solchen Fall gab es noch nicht, den müssten wir prüfen", sagt Andreas Scherer, Presseminister der Faschingsnarren. Bereits am kommenden Donnerstag wird das Programm für die Sitzungen 2018 erstellt. Tisal betont, er werde diese Konferenz mit Sicherheit besuchen, aber: "Ich bin 28 Jahre lang gratis aufgetreten, irgendwann ist sowieso die Jugend dran."