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Wie im Mai
12/19/2014

Ferienbeginn ohne Schnee

Weiße Weihnachten fallen ins Wasser. Skifahren ist vorerst nur in hochalpinen Lagen möglich.

von Michaela Reibenwein

Selbst das Christkind kann’s diesmal nicht richten: Weiße Weihnachten bleiben ein frommer Wunsch. Skifahren ist nur in den hochalpinen Lagen über 2000 Meter möglich. In den meisten Skigebieten des Landes ist es sogar zu warm für die Schneekanonen. Das bringt auch die Weltcup-Szene in Bedrängnis. Angesichts der herrschenden Temperaturen könnten die Skirennen am Semmering ins Wasser fallen (siehe unten).

Ein kleiner Trost für die KURIER-Leser: Den Schneemann gibt’s zumindest auf Papier –

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Warm, wärmer, 2014: Die Zeichen kündigen einen neuen Temperatur-Rekord an. Seit Beginn der Aufzeichnungen im späten 18. Jahrhundert war es über das gesamte Jahr gesehen in Österreich noch nie so warm. Auch wenn der Jahres-Mittelwert "nur" 11,10 Grad aufweist – in der Welt der heimischen Wetterexperten ist das fast tropisch.

Keine Kältewelle

"Es müsste im Dezember noch sehr, sehr kalt werden, um den Rekord noch zu gefährden. Wir reden da von mehreren nötigen Frosttagen mit mindestens minus fünf Grad", sagt Ubimet-Meteorologe Clemens Teutsch-Zumtobel.

Die Entwicklung zieht sich quer über das gesamte Land. "Alle Landeshauptstädte liegen bisher 1,5 bis 2 Grad über dem langjährigen Mittel." Und selbst das bisherige Rekordjahr 1994 wird um entscheidende 0,5 Grad abgehängt.

Die Entwicklung hat sich abgezeichnet: Abgesehen von den Monaten Mai und August war es durchwegs zu warm. Den bisher größten Ausreißer lieferte der November. Denn der war gleich um 3,8 Grad zu warm und ist somit ebenfalls Gewinner im langjährigen Klima-Ranking. Der März schaffte es ebenfalls aufs Stockerl. Mit 2,9 Grad zu viel, sicherte er sich Platz zwei im Ranking der Langzeit-Rekordtemperaturen.

Warm wie im Mai

In der Tonart geht es auch weiter: Heute, Freitag, dürfen Daunenjacke und Wollhaube daheim bleiben. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland gibt’s frühsommerliche 16 Grad. Zum Vergleich: "So warm war es auch am 30. Mai – zwei Tage vor dem meteorologischen Sommerbeginn", erklärt Teutsch-Zumtobel.

Und somit zerplatzt auch der Wunsch nach weißen Weihnachten. Denn dem Christkind wird es diesmal auch ganz warm ums Herz, der starke Föhnwind zerstört allerdings die blonde Lockenpracht. Am 24. Dezember muss es mindestens auf 1500 Meter Höhe fliegen, um Schnee zu sehen.

"Im Lauf des Wochenendes kommt zwar eine Kaltfront, die für Schnee sorgt – aber nur für wenige Zentimeter", prognostiziert der Meteorologe. Kurzfristig weiß angezuckert wird das Inntal, der Pinzgau, das Montafon, die Obersteiermark, Osttirol und Oberkärnten.

Aber: Wie gewonnen, so zerronnen: Am Montag fegt eine milde Westströmung das bisschen Schnee auch schon wieder weg. Für den 24. Dezember selbst sagen Experten windige 5 bis 12 Grad voraus – und das ist ausnahmsweise kein Temperatur-Rekord. Denn Dornbirn legte im Vorjahr 18,1 Grad vor. Weihnachten 2012 war Brand in Vorarlberg mit 18,2 Grad noch eine Spur besser und der wärmste Ort Österreichs.

Zumindest nach Weihnachten kühlt es ab. "Ab dem Christtag rechnen wir in ganz Österreich mit Minusgraden. Das Weihnachtstauwetter ist dann vorbei", sagt Teutsch-Zumtobel.

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Schneeschmelze setzt Weltcup-Ort zu

Sechs Grad plus und das Thermometer soll noch weiter nach oben klettern: Am Semmering liegen zehn Tage vor dem geplanten Damen-Skiweltcup die Nerven blank. Die Rennen stehen wegen des Warmwettereinbruchs auf des Messers Schneide.

Seit gut einer Woche stehen die Schneekanonen am Hirschenkogel still. Die Rennverantwortlichen sind zum Zuschauen verdonnert. „Wir können nicht mehr machen, als den Wetterbericht im Auge zu behalten. Im oberen Streckenbereich konnten wir genügend Schneedepots anlegen, da schaut es ganz gut aus. Aber der Zielhang ist das Problem“, erklärt der Organisationschef des Weltcup-Spektakels, Franz Steiner.

Heute, Freitag, findet eine offizielle Streckenbesichtigung statt, bei der die weiteren Schritte festgelegt werden. Schnee aus anderen Skigebieten per Lkw herbeizuschaffen ist keine Option, da es in der näheren Umgebung keinen gibt. „Es bleibt nur zu hoffen, dass es kälter wird. Dann werden wir alles tun, damit die Rennen stattfinden können“, sagt Steiner. Ab einer Temperatur von minus zwei oder drei Grad werden die Schneekanonen angeworfen. In der Nacht auf Montag könnte es soweit sein.

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