Fasching in Klagenfurt: Rassismus gegen Asylwerber

© Bild: stadtrichter.at

Schwarz angemalte Gesichter, Bombenbasteln mit Caritas-Handys: Der Fasching in Klagenfurt driftet ab in den Rassismus.

Fasching in Kärnten, das ist meistens eine eher halblustige Angelegenheit. Seichte Pointen, abgelutschte Possen, gerne an der Grenze zum Rassismus. Wie das deutsche Wochenmagazin der Freitag berichtet, wurde diese Grenze heuer auf der Bühne der Klagenfurter Messehalle 5 weit überschritten.

„Von zu Hause auf Tiger, dann Elefant, dann Boot, dann Zug, dann Limousine“, erzählt im Sketch "Unsere Migrationsklasse" der fiktive indische (sic!) Flüchtling Ranjid, während der syrische Abdula Anleitungen zum Bombenbauen auf seinem von der Caritas geschenkten Handy im Internet sucht. Und der einzige Österreicher in der Klasse, der förderbedürftige Georg, der von Abdula dauernd gemobbt wird, sieht sich durch die Lehrerin aufgefordert, mehr Toleranz zu zeigen. Dazu erklärt ein Mann mit schwarz bemaltem Gesicht, dass er nicht arbeiten kann, weil das in seiner Heimat nur die Frauen tun würden.

Es wird also mit billigen rassistischen Klischees gespielt und es werden widerlegte Fake-News aufgegriffen , wie etwas dass Asylwerber von der Caritas Handys geschenkt bekommen würden.

Die „ Stadtrichter zu Clagenfurth“, schreibt der Freitag, seien anerkannte Bürger der Stadt aus den besten Familien. Sie erzählen das auf offener Bühne, ohne dass sich darüber bislang ein kritisches Wort in den Zeitungen fand, im Gegenteil:

"Die fast 20 Programmpunkte bedienen jeden Geschmack", schrieb die Kleine Zeitung in der Kritik am 13. Jänner. Und weiter: "Das Wechselspiel zwischen Bühne und Video-Hintergrund wird verblüffend unterhaltsam ausgereizt, Band, Musiknummern und Dance Industry sind mitreißend wie immer."

Die „Stadtrichter zu Clagenfurth“ gibt es seit 1963, laut Homepage „mit dem Ziel, das gesellschaftliche Geschehen der Stadt zu beleben“. Gesponsort werden sie unter anderem von Citroën, der Generali, der Kärntner Sparkasse - und der Kronen Zeitung. Ein anderer Sponsor, der nicht namentlich genannt werden will, bestätigt die Zitate des Freitag-Berichts, findet sie aber aus dem Zusammenhang gerissen und verweist darauf, "dass Fasching ist". Bedenken, dass der Inhalt des Programms rassistisch sei, habe er nicht.

Der Vereinsobmann und „Burggraf“ Willi Noll wurde vom KURIER kontaktiert, ein Rückruf blieb bislang aus. Auch andere Mitglieder der Stadtrichter wollten zum Programm keine Stellung nehmen. Eine Stellungnahme der Bürgermeisterin von Klagenfurt ist ebenso noch ausständig. Der Verein wird von der Stadt gefördert, so der Freitag.

(Anm. der Red.: In der Erstversion wurde auf einen älteren Artikel der Kleinen Zeitung aus dem Jahr 2017 verlinkt. Dieser Fehler wurde korrigiert. 10.02.2018, 18:40 Uhr)

( kurier.at , sk/tre ) Erstellt am 10.02.2018