Chronik | Österreich
06.11.2017

F.A.I.R: Ein Wahlkampf auf Pump

Grün-Ableger muss Darlehen nicht zurückzahlen, falls bei der Wahl 2018 der Sprung in den Landtag misslingt.

Das nennt man ein FAIRes Angebot: Ein bisher unbekannter Investor ist offenbar felsenfest davon überzeugt, dass dem Kärntner Grünen-Ableger namens F.A.I.R. (Abkürzung von "Für alle interessierten Reformer") ein ähnlicher Coup gelingt wie zuletzt bundesweit der Liste Pilz. Er unterstützt die Bewegung beim Antritt zur Landtagswahl am 4. März 2018 mit einer namhaften Summe und trägt das alleinige Risiko.

" Darlehen" oder "Starthilfe" nennt F.A.I.R.-Parteichefin Marion Mitsche jenen Betrag, den ein edler Spender fließen lässt, um die Bewegung zumindest in den Landtag zu hieven. Der Deal lautet: Falls die Gelb-Lila-Plattform diese Hürde schafft, muss die Summe refundiert werden. Falls nicht, kann der große Unbekannte den Betrag abschreiben. Wie hoch der Obolus sein könnte, ist ebenso geheim, wie der Geldgeber selbst. Mitsche: "Wir reden von einem Betrag im fünfstelligen Bereich mit Möglichkeiten nach oben. Der Finanzier will noch nicht genannt werden. Wenn die erste Tranche fließt, werden wir für Transparenz sorgen."

In ein Anhängigkeitsverhältnis werde F.A.I.R. jedenfalls nicht geraten. "Der Investor kommt aus meinem beruflichen Umfeld (Mitsche ist Psychologin, Anm.), ist jemand mit Finanzkraft, hat aber geschäftlich rein gar nichts mit dem Land Kärnten zu tun", stellt sie klar. Auch werde man einen sparsamen Wahlkampf führen – hauptsächlich über soziale Medien.

Um antreten zu können, braucht die Liste 400 Unterstützungserklärungen von Wahlberechtigten oder drei Unterschriften von Landtagsabgeordneten. Ex-Grünen-Chefin Mitsche leitet die Partei, zum Vorstand gehören mit Thomas Winter-Holzinger, Wolfgang Leitner sowie Karin Ruppert weitere Abtrünnige.

"Ideengeber" Gasper

Ein weiterer soll sich bald hinzugesellen: Reinhold Gasper, ehemaliger Klagenfurter Gemeinderat, steht mit 79 Jahren vor dem Polit-Comeback. "Als Ideengeber stehe ich zur Verfügung", sagt er. Der einvernehmlichen Trennung von den Grünen hatte er erst zugestimmt, als ihm all seine Computerdaten, Unterlagen und Ideen ausgehändigt worden waren. Zu Mitsche habe er "immer ein gutes Verhältnis" gehabt, betont Gasper. Die Angesprochene gibt das Kompliment zurück.

Eine Kooperation mit der Liste Pilz sei trotz der aktuellen Vorwürfe gegen Peter Pilz (siehe Politik) geplant, erklärt F.A.I.R. Es habe Gespräche gegeben, weitere würden folgen. "Da die Bundesebene in unserer Organisation fehlt, könnte die Liste Pilz eine Andockstelle sein", betont Mitsche.