Chronik | Österreich
15.06.2017

Erzbergrodeo: Diese Strecke macht süchtig

Profis und Hobbyfahrer messen sich ab heute im Enduro-Rennen in der Steiermark.

"Direkt danach fragt man sich schon auch, warum?", überlegt Dieter Rudolf. "Aber wenn du einmal dabei warst, dann bist du gefangen."

Der 28-Jährige ist einer jener 1500 Enduro-Fahrer, die einen Startplatz für das Erzbergrodeo bekommen haben. Heute, Donnerstag, startet das Rennen im obersteirischen Eisenerz, das unter Bikern als das härteste Rennen der Welt gilt: Rund 30 Kilometer lang ist die Strecke, die über Felsen und Waldpassagen auf den Berg führt; bei Matsch im Regen, in dichten Staubwolken, wenn die Sonne scheint.

Eine Herausforderung für Mensch und Maschine. "Du hast eine schwierige Stelle nach der anderen", beschreibt Philipp Bertl, 26. "Da bleibt keine Zeit zum Ausrasten." Auch, weil es nicht nur den Erzberg zu bezwingen gilt, sondern die Uhr tickt: Vier Stunden nach dem Start am Sonntag heult die Werkssirene. Wer es dann nicht ins Ziel geschafft hat, hat Pech.

"Man braucht schon ein bisserl Glück", bestätigt Dieter Rudolf. "Danach musst du das Beste geben." Sechs Mal ging er bereits beim Erzbergrodeo an den Start, 2014 schaffte er es zeitgerecht ins Ziel. "Auf Platz 22, aber das fühlt sich wie ein Sieg an", grinst der Niederösterreicher, der sein Hobby Enduro-Fahren neben seinem Vollzeitjob als CNC-Dreher ausübt.

Um überhaupt so weit zu kommen, müssen die Fahrer die Hürde davor packen: Freitag und Samstag ist der Prolog zu meistern, die Qualifikation. Nur die 500 Schnellsten dürfen am Sonntag beim Hare Scramble an den Start. Von ihnen schaffen es meist aber nur ein, zwei Dutzend ins Ziel.

Sie kommen wieder

Aus dem Rennen ist so etwas wie ein Festival geworden. "Der Erzberg ist schon ein Riesenspektakel", meint Philipp Bertl, der heuer zum dritten Mal an den Start geht. Auch er hat es bereits 2014 einmal bis an die Erzbergspitze geschafft, im Vorjahr qualifizierte er sich im Prolog für eine Platz in der ersten Startreihe. "Wenn man diesen Sport betreibt, muss man am Erzberg dabei sein", beschreibt er den Reiz des Wiederholens. "Jeder schaut das im Fernsehen an. Und ich hab’ mir auch immer gedacht, da möchte ich mitmachen." Außerdem sei es außergewöhnlich, dass es bei einem Rennen keinen Unterschied zwischen Profis und Freizeitsportlern gebe, betont Dieter Rudolf. "Das ist einzigartig, dass man sich als Hobbyfahrer mit der wirklichen Weltelite messen kann."

Das sonst so beschauliche Eisenerz wächst während des Erzbergrodeos alljährlich über sich hinaus. Rund 45.000 Zuschauer werden zum Rennen erwartet; mit den Fahrern, ihren Begleitern, Organisationsteam und den internationalen Journalisten kommen noch einmal an die 7000 Personen dazu. Allein diese Menschenmenge ist weit mehr, als Eisenerz an Einwohnern hat – und zwar rund 4200.

www.erzbergrodeo.at