Chronik | Österreich
14.03.2016

Ein eigener Sitzplatz für die Geige

Musiker fühlen sich schikaniert und haben Petition für vereinfachten Instrumententransport gestartet.

Österreichs wichtigste Kulturbotschafter – die Musiker – beklagen bürokratische Hürden, die ihnen das Reisen vergällen. Sie wagen kaum, ihre empfindlichen und teuren Instrumente einzuchecken, weil die trotz stabiler Koffer bruchgefährdet sind. Gerade Billig-Fluglinien scheinen darin in jüngster Zeit ein lukratives Geschäftsmodell gefunden zu haben: Die Air-Berlin-Gruppe verlangt, dass für Instrumente im Passagierraum ein eigener Sitz gebucht wird. Fliegt also ein Streichquartett, sind acht statt vier Tickets zu bezahlen. Das gilt nicht nur für Kontrabässe oder Celli, sondern sogar für Violinen.

Schikane

"Das ist reine Schikane", klagt beispielsweise der international bekannte Geiger Daniel Auner aus Brunn am Gebirge in Niederösterreich. Er absolviert Auslandskonzerte auch im Auftrag des Außenministeriums, um Österreich kulturell zu präsentieren. "So oft ich zu einem Auftritt fliege, gibt es Schwierigkeiten. Bei einem Cello kann ich das verstehen. Aber eine Geige passt leicht ins Gepäckfach. Ich nehme ja eigens kein weiteres Handgepäck mit. Der zum Vollpreis gebuchte Zweitsitz bleibt dann leer", sagt der Künstler, der aber auch positive Erfahrungen gemacht hat: "Auf einem KLM-Flug verstaute ein Crew-Mitglied meine Geige besonders sorgfältig, damit ihr nichts passiert."

Nikolaus Straka, Cellist und Geschäftsführer des internationalen Musikfestivals Allegro Vivo im nö. Waldviertel, nennt ein weiteres Problem: "Wenn ich einen Platz in der Businessclass buche, darf mein Cello nicht in die Economy. Es bekommt einen Vollpreis-Platz neben mir." Einer seiner Gastmusiker ist der Schweizer Cellist Patrick Demenga. Er fürchtet schon jetzt die Komplikationen der Anreise Ende Juli. "Bei der Swiss Air wurde einmal ein riesiges Netz über mein Cello am Nebensitz gespannt, obwohl für den Koffer eine Gurtverlängerung reichen würde. Die Crew hat sich damit sehr lang geplagt", erzählt er.

Internationale Petition

Nun wurde eine internationale Petition der Musiker initiiert (siehe Internethinweis unten), die – nach dem Vorbild der USA – kostenlose Mitnahme von Instrumenten im Handgepäck fordern. Die heftig kritisierte Air Berlin sagt: "Nach zahlreichen Rückmeldungen von Gästen, die mit einer Geige oder einem vergleichbar großen Musikinstrument reisen, beabsichtigt die Air-Berlin-Group, die Handgepäck-Regelungen zu ändern." Bis wann das allerdings gelingen könnte, lässt Sprecherin Janina Mollenhauer offen.

Sandra Bijelic von der AUA meint: "Wenn sich Musiker bei uns rechtzeitig melden, sind wir immer um eine passende und kulante Regelung bemüht.

Der Link zur Petition:

https://goo.gl/2hnLST

Geigenbögen sind plötzlich illegal

Es gibt noch weitere Hürden für Reisen von Künstlern, die Streichinstrumente spielen: Sie müssen neuerdings fürchten, dass ihnen die Bögen bei der Heimkehr von Auftritten an der EU-Außengrenze abgenommen werden, weil fast alle hochwertigen Bögen ein kleines Stück Elfenbein enthalten. Teilweise müssen sogar historische Stücke umgebaut werden.

Im Jahr 2014 geänderte Bestimmungen der EU ließen bei Musikern Panik ausbrechen. Geigenbauer Thomas Gerbeth aus Wien musste alleine im Jahr 2015 rund 450 Bögen untersuchen. Hat die Besitzer bei Genehmigungen unterstützt und in einigen Fällen Teile getauscht. Gerbeth erklärt: "Ich arbeite dabei mit Mammut-Elfenbein oder südamerikanischen Rinderknochen. Manche Kollegen verwenden auch hochwertigen Kunststoff, das mache ich aber nicht."

Laut Max Traun vom Lebensministerium habe sich gezeigt, dass die Regeln der EU für Instrumente in der Praxis schwer umzusetzen sind. Eine Änderung ist in Arbeit.