Bei Planquadraten in Wien wurden bereits mehr Drogen- als Alkolenker aus dem Verkehr gezogen. Die Kontrolldichte wird jetzt erhöht

© KURIER/Jeff Mangione

Planquadrat
03/10/2017

Drogenlenker überholen Alkofahrer

Immer mehr Lenker konsumieren illegale Suchtmittel. Polizei setzt neue Geräte ein.

von Michael Berger

Ein Planquadrat Mittwochabend im Norden Wiens zeigte einen beunruhigenden Trend: Während acht Lenkern wegen Trunkenheit am Steuer der Führerschein abgenommen wurde, bestand bei zehn Fahrern der Verdacht auf illegalen Drogenkonsum. Auch ihnen wurde später die Lenkerberechtigung abgenommen. Eine Schwerpunktkontrolle im September 2016 in Wien-Meidling überraschte selbst routinierte Polizisten: 23 Drogen-Lenker mussten während einer Nacht aus dem Verkehr gezogen werden.

Diese beiden Beispiele sind längst keine Einzelfälle mehr. Jetzt reagiert das Innenministerium auf diese Entwicklung. Seit gestern, Donnerstag, sind in acht Bundesländern Drogen-Vortestgeräte bei Planquadraten im Einsatz, die den Speichel analysieren. In Wien startet die Testphase laut Exekutive heute, Freitag.

Hatten Polizisten bisher bei Kontrollen den Verdacht, der Lenker eines Fahrzeugs könnte unter Drogeneinfluss stehen, musste der verdächtige Fahrer dem Amtsarzt vorgeführt werden. Reaktions- und Koordinationstests, aber auch Blut- und Urinproben sowie Haarproben zeigten später den Grad der Beeinträchtigung sowie die Art der konsumierten Suchtmittel. Seit zwei Jahren achtet die Exekutive bei Verkehrskontrollen verstärkt auf potenzielle Drogenlenker.

Für Wilhelm Saurma, Wiens oberstem Amtsarzt, zeigen Unfälle im Drogenrausch oft eine besondere Schwere: "Die Reaktionsfähigkeit leidet enorm. Natürlich kommt es auf den Grad des Konsums an. Aber die Interpretationsfähigkeit der Fahrsituation ist in jedem Fall massiv gemindert. Hinzu kommt eine gewisse aphrodisierende Wirkung."

Bei Lenkern mit illegalem Drogenkonsum spielt laut Exekutive ein weiterer Punkt eine Rolle: Viele haben Suchtmittel im Fahrzeug. Bei Kontrollen geben Konsumenten gerne Gas und flüchten. Die bereits gefährliche Situation spitzt sich so zu. Aktuell werden in den Landes-Verkehrsabteilungen Beamte geschult, Drogenkonsumenten hinterm Volant zu erkennen.

Eklatante Steigerung

Am Donnerstag gab das Innenministerium bundesweite Zahlen zum Thema bekannt. Die Steigerung ist offensichtlich: Wurden 2012 noch 877 Autofahrer wegen Suchtmittelkonsums angezeigt, waren es 2016 bereits 1491. Wobei vor allem Wien und das Umland im Fokus steht. Experten, darunter Amtsärzte und Exekutivbeamte, sprechen von einer hohen Dunkelziffer – vor allem in den Bundesländern.

Chefarzt Saurma erklärte den Status quo: "Ich gehe von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Nur durch die Kontrolldichte in Wien können beeinträchtigte Lenker eruiert werden." Und das Drogenproblem hinter dem Lenkrat zieht sich durch viele Altersschichten. Oberst Josef Binder, stellvertretender Leiter der Verkehrsabteilung: "Die Altersgruppen sind so bunt gemischt wie die Drogen-Palette. Wir hatten schon sehr junge Lenker, aber auch Personen über 40 sind nicht wirklich eine Besonderheit."

Bestätigen sich der Drogenkonsum bei Blut-, Harn- bzw. Haarproben, muss der Proband sechs Monate lang Suchtmitteltests absolvieren und ein psychologisches Gutachten vorlegen. Der Führerschein wird mindestens einen Monat entzogen.

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