"Drogen-Pate" ging nach dem Prozess heim

Cannabis-Plantage © Bild: /LPD NÖ

Zwölf Schuldsprüche und ein Freispruch in Prozess gegen Drogen-Bande in Wr. Neustadt.

Mit zwölf Schuldsprüchen und einem Freispruch ist in der Nacht auf Samstag im Landesgericht Wiener Neustadt ein siebentägiger Prozess gegen 13 mutmaßliche Cannabis-Händler zu Ende gegangen.

Erstmals hatte ein Ankläger gegen zwei (der 13 angeklagten) Marihuana-Produzenten ein Strafausmaß gewählt, das im schlimmsten Fall lebenslange Haft bedeutet hätte (§ 28a Absatz 5 des Suchtmittelgesetzes). Der angebliche "Drogen-Pate", Csongor K., muss aber nicht ein Leben lang hinter Gitter, sondern ist frei. Den unbedingten Teil seiner Haftstrafe von 24 Monaten hatte der 38-Jährige schon in der U-Haft abgesessen. Nach der Urteilsverkündung am Samstag um drei Uhr in der Früh – die Geschworenen berieten zehn Stunden lang – enthaftete ein Richter den ungarischen Immobilien-Makler. K.s Verteidiger Wolfgang Blaschitz erklärte: "Der Staatsanwalt hat nicht mit einer Kanone auf Spatzen geschossen. Er hat eine Atombombe verwendet."

Zwölf der dreizehn Angeklagten fassten nicht rechtskräftige Haftstrafen zwischen 22 Monaten bedingt und vier Jahren unbedingt aus. Doch sie fielen bei Weitem nicht so saftig aus, wie es sich der Ankläger gewünscht hatte. Monatelang ließ er nach allen Regeln der Kunst mit Peilsendern, Lauschangriffen und Observationen ermitteln.

350 Kilo Cannabis

Ein Großaufgebot der Exekutive stürmte in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark sechs Häuser der Verdächtigen, in denen sie Cannabis produziert hatten. 350 Kilo illegale Rauchware mit einem Straßenverkaufswert von 3,5 Millionen Euro brachten die Verdächtigen in Umlauf, hieß es. Um sich die enormen Stromkosten für die Wärmelampen zu sparen, zapften sie illegal Strom ab.

Der Fall hätte auch eine abschreckende Wirkung haben sollen, erklärte ein Ermittler damals. Gemeint war die Anklage. Die Rechnung ging im Verfahren nicht voll auf: Der angebliche Drogen-Pate K. war als Mieter eines Hauses zwar bestens über die Plantage informiert, will mit der Produktion aber nichts zu tun gehabt haben. Der Auftritt seiner MS-kranken Freundin, die er mit Cannabis-Öl versorgt hatte, dürfte in seinem Fall die Geschworenen überzeugt haben.

( kurier.at ) Erstellt am 10.09.2016